Wie laut kann ein Opernsänger singen?
Allgemeines
Da es sich bei Opern üblicherweise um Werke handelt, bei denen singende Darsteller von einem großen Orchester begleitet werden und die in einem großen Raum zur Aufführung kommen, müssen Opernsänger grundsätzlich über eine laute Stimme verfügen. Nur so können sie sich akustisch gegenüber den restlichen Beteiligten durchsetzen. Durch eine professionelle Ausbildung, die eine opernspezifische Singtechnik vermittelt, verfügen Opernsänger über einen besonders muskulösen Stimmapparat, der ihre Gesangsstimme durchsetzungsfähiger etwa im Vergleich zur Sprechstimme oder einer unausgebildeten Singstimme macht.
Die im Frequenzbereich eines Opernsängers mitschwingenden Obertöne verleihen seiner Stimme darüber hinaus ihre charakteristische Färbung. Man bezeichnet diese auch mit dem französischen Wort „Timbre“. Ausschlaggebend für die Durchsetzungsfähigkeit einer Opernstimme auf der Bühne ist nicht unbedingt nur die Lautstärke, sondern auch das Volumen.
Schallintensität
Der Eindruck von Lautstärke wird im menschlichen Gehör durch die Intensität eines Schallereignisses erzeugt. Die landläufige physikalische Messeinheit hierfür heißt Dezibel (dB). Ein Dezibel ist ein Zehntel eines Bels (B), benannt nach dem Erfinder des Telefons, Graham Bell. Der logarithmische Maßstab dieser Einheit eignet sich für die Darstellung des gesamten menschlichen Hörbereichs.
Das durchschnittliche Messergebnis beim Operngesang liegt bei 105 dB. Die höchsten Ergebnisse erzielen dabei Sopran- und Mezzosopran-Stimmen, während Männerstimmen (Tenor, Bass) im Schnitt ca. 10 dB darunter liegen. Generell liegt die Lautstärke in der Oper damit deutlich höher als etwa bei einer in „Zimmerlautstärke“ eingesetzten Sprechstimme (70dB) und selbst höher als bei lautem Schreien oder Disko-Geräuschen (bis zu 100 dB). Mit 105 dB erreichen ausgebildete Opernsänger auch eine größere Lautstärke als (üblicherweise mit Verstärkung singende) Rock-, Pop- oder Jazz-Sänger. Noch höher als beim Singen auf der Bühne ist übrigens der Schalldruck im Orchester, wo an lauten Stellen bis zu 120 dB gemessen werden können; das entspricht ungefähr der Lärmbelastung, die von einem Presslufthammer ausgeht. Dank der Anordnung des vor der Bühne in die Tiefe verlagerten Orchestergrabens und der spezifischen Eigenschaften der Opernstimme gelingt es dieser dennoch, sich mit dem Orchesterklang zu verbinden und sich über ihn zu erheben.
Besonderheiten
Im Jahr 2019 stellte die bulgarische Mezzosopranistin Smiljana Sahariewa mit ihrer Stimme einen im Guinness-Buch verzeichneten Rekord auf. Dabei war es ihr gelungen, einen Ton fünf Sekunden lang in einer Lautstärke von 110 dB zu erzeugen. Diskutiert werden besonders in den letzten Jahren die Gefahren, denen Opernsänger aufgrund der akustischen Dauerbelastung ausgesetzt sind und die auch deutlich über den gesetzlich zugelassenen Grenzwerten für Lärm am Arbeitsplatz liegen. Befragungen und Hörtest kamen allerdings zu dem Ergebnis, dass Hörschädigungen selbst bei langjährig tätigen Opernsängern nicht überdurchschnittlich häufig vorkommen. Eine teilweise Erklärung liegt darin, dass der gegen Lärmbelästigung im Mittelohr aktiv werdende Stapediusreflex das Innenohr besser gegen den Klang der eignen Stimme schützt als gegen externe Schallquellen. Weitere Faktoren werden derzeit untersucht.
Quellen: Wikipedia









