Wie wird man Opernsänger?
Allgemeines
Der Berufsweg zum Opernsänger oder zur Opernsängerin ist lang und mit einer Menge Arbeit verbunden. An der Oper sind ausschließlich professionelle Sängerinnen und Sänger zu hören, die eine langjährige Ausbildung durchlaufen haben. Neben einer speziellen Gesangstechnik werden sie dabei fit gemacht für die musikalischen und stilistischen Anforderungen eines vielfältigen Repertoires. Das Stimmfach, das heißt die Lage und der Charakter, in dem sich ihre Gesangstimme bewegt, kann sich dabei im Laufe der Ausbildung, vor allem aber auch in der Praxis ändern, so dass beispielsweise Gesangsstudenten, die eigentlich Bariton werden wollen, später als Tenor auf die Bühne treten. Neben den stimmlichen Qualitäten gehört zu einem erfolgreichen Opernsängerleben auch eine schauspielerische Begabung, Charisma und ein Talent für Sprachen. Weitere wichtige Voraussetzungen sind Belastbarkeit, Flexibilität, Disziplin und eine hohe Merkfähigkeit, um dauerhaft auf der Bühne bestehen zu können.
Stimme und Talent
Ob sich eine Stimme für den professionellen Operngesang eignet oder nicht, lässt sich auf den ersten Blick oft gar nicht beurteilen. Viele Sänger haben bereits in ihrer Kindheit und Jugend gesungen, oft im semiprofessionellen Bereich der Chöre, etwa in berühmten Knabenchören wie den Regensburger Domspatzen oder dem Leipziger Thomanerchor. In diesem Umfeld lässt sich oft schon herausfinden, ob man potenziell das nötige Stimmmaterial, die Musikalität und das Talent für eine Opernkarriere mitbringt. Viele Sänger nehmen schon vor Aufnahme des offiziellen Gesangsstudiums Unterricht bei privaten Lehrern und kommen daher schon mit einer gewissen Vorbildung an die Hochschule.
Gesangsstudium
Abgesehen von Ausnahmen, die ihre Stimme ausschließlich bei qualifizierten privaten Lehrern absolviert haben, können die meisten Opernsänger auf ein abgeschlossenes Gesangsstudium an einer staatlichen Musikhochschule verweisen. Dieses Studium wird an nahezu allen Musikhochschulen und Konservatorien in Deutschland aber auch in anderen Ländern angeboten und dauert mehrere Jahre. Um ein Gesangsstudium aufnehmen zu können, muss man allerdings zunächst eine Aufnahmeprüfung bestanden haben.
Neben dem eigentlichen Gesangsunterricht, in dem mithilfe von Gesangsübungen und der Einstudierung von Gesangsstücken die Technik des Singens vermittelt wird, umfasst die Ausbildung noch weitere Fächer wie Klavierspielen, Musiktheorie, Gehörbildung, Schauspielunterricht und in letzter Zeit vermehrt auch Inhalte wie Selbstmanagement oder rechtliche Fragen.
Der Gesangsunterricht findet in der Regel als Einzelunterricht statt. Ergänzende Angebote wie der Hochschulchor oder die Mitwirkung bei Hochschul-Opernproduktionen geben wertvolle Einblicke in die berufliche Praxis. Neben dem Master-Abschluss im Gesang werden oft noch weitere Qualifizierungsabschlüsse angestrebt. Ergänzende Meisterkurse bei berühmten Sängern vermitteln darüber hinaus neue Impulse und erweitern den musikalischen Erfahrungshorizont.
Erste Schritte
Die meisten Sängerinnen und Sänger streben eine feste Anstellung in einem Opernensemble an. Gerade für junge Hochschulabsolventen ohne größere Praxiserfahrung ist dies aber gar nicht so einfach. Eine Art Zwischenstation ist für sie oft das Opernstudio, in dem angehende Sänger unter Anleitung eines erfahrenen Coachs ihre Bühnenpräsenz weiter ausbauen können, in speziellen Studioproduktionen in Hauptrollen auftreten und sich darüber hinaus auch in kleineren Nebenrollen regelmäßig auf der „richtigen“ Opernbühne bewegen können. Egal, ob man sich für das Opernstudio oder gleich für das Ensemble interessiert: Am Anfang steht ein Vorsingen, bei dem man sich gegen eine auch internationale Konkurrenz durchsetzen muss. Ein anderer Weg, auf sich aufmerksam zu machen (und so auch oft direkt von Opernhäusern angeworben zu werden) sind Internationale Wettbewerbe wie der ARD-Wettbewerb, der Operalia-Wettbewerb oder der Neue-Stimmen-Wettbewerb.
Karriereverlauf
Wie in vielen anderen Bereichen lässt sich eine Karriere als Opernsänger zwar in vielen Punkten steuern, voraussehen lässt sie sich jedoch nicht. Während einige Sänger den sicheren Karriereweg im Ensemble eines Opernhauses anstreben und dort oft viele Jahre bleiben (mit Glück als unkündbares Ensemble-Mitglied bis zur Rente), wählen andere die Freiberuflichkeit. Geradezu eine Grundvoraussetzung ist besonders in diesem Fall die Zusammenarbeit mit einer gut vernetzten Agentur, die Auftritte vermittelt. Gerade freiberufliche Sänger mit großem Namen haben die Möglichkeit, sich in glanzvollen internationalen Auftritten selbst zu verwirklichen, die Rollen zu singen, die sie singen möchten, und dabei gut zu verdienen. Stars wie Luciano Pavarotti (der allerdings neben der Opernbühne noch weitere Verdienstquellen mit seiner Kunst auszuschöpfen wusste) konnten ein beträchtliches Vermögen anhäufen. Allerdings können freiberufliche Karrieren auch schnell wieder beendet sein, etwas durch frühzeitigen Stimmverschleiß, Krankheit oder durch den oft knallharten Verdrängungswettbewerb, der nicht zuletzt auch an Opernhäusern wahrzunehmen ist.









