Fast schon Glyndebourne-Flair in Franken
Beim Mozartfest Würzburg gibt man nicht viel auf regiekonzeptionelle Turnübungen, und ohnehin ist Oper hier konzertant. Ganz leicht, berauschend und fein kommt dieses Jahr Così fan tutte daher.
Beim Mozartfest Würzburg gibt man nicht viel auf regiekonzeptionelle Turnübungen, und ohnehin ist Oper hier konzertant. Ganz leicht, berauschend und fein kommt dieses Jahr Così fan tutte daher.
So krude, wie Andriy Zholdak Fidelio an der Dutch National Opera inszeniert, hat man Beethovens einzige Oper wohl noch nie erlebt. Das machen auch die großartigen Stimmleistungen von Nicholas Brownlee und James Creswell als Don Pizarro bzw. Rocco nicht wett.
Für Georg Friedrich Haas‘ Liebesgesang braucht man nur zwei Stimmen: Ein Mann und eine Frau lieben sich, hassen sich, loten Extreme aus. Als hochkompetente Singdarsteller sorgen Claude Eichenberger und Robin Adams dafür, dass das nie langweilig wird, sondern dicht und intensiv.
Regisseurin Mariame Clément vollendet in Genf ihre Tudor-Trilogie mit Roberto Devereux: eine Geschichte über Vergänglichkeit, Macht, Liebe und Einsamkeit, die Elsa Dreisig als weibliche Hauptpartie glaubhaft zum Leben erweckt.
Neu ist Krzysztof Warlikowskis Inszenierungs-Diptychon von Herzog Blaubarts Burg und La voix humaine zwar nicht, aber auch als Revival in Neapel noch immer packend. Zumal Elīna Garanča ein fulminantes Rollendebüt als Judith gibt.
In Hagen begeistert die musikalische Seite einer szenisch nicht zwingend erzählten Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch.
Die Uraufführung Michael Kohlhaas nach der gleichnamigen Kleist-Novelle geht am Theater Regensburg musikalisch nicht ganz auf. Dirigat und vor allem starke Darsteller aber machen vieles wett. Was bleibt, ist ein zeitgenössisches, gut nachspielbares Stück.
Was ist der Mensch – Narr oder Mörder? In Martin G. Bergers neuer Wozzeck-Inszenierung für das Aalto-Theater Essen bleibt die Antwort eher diffus, trotz mancher glutvollen Passagen, die Roland Kluttig aus dem Orchestergraben zaubert.
Dem Landestheater Detmold gelingt in der Regie von Georg Heckel eine beeindruckende und mitreißende Inszenierung von Jake Heggies Erfolgsoper Dead Man Walking.
In seiner Münchner Tosca-Inszenierung vermischt Regisseur Kornél Mundruczó mehrere Zeitebenen mit dem Werk von Pier Paolo Pasolini – und gelangt bei aller intellektuellen Anstrengung nicht über eine naive Darstellung hinaus. Auch musikalisch verströmt der Abend nur verhaltenen Glanz, trotz Star-Besetzung.
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