Mit Le siège de Corinth bot das Rossini Opera Festival in Pesaro dieses Jahr nur eine Neuinszenierung – und die war eher solide als herausragend. Woran lag’s?
Von Hugh Canning
Als das Rossini Opera Festival (ROF) in Pesaro Le siège de Corinthe – die 1826 für Paris entstandene Grand-opéra-Bearbeitung von Rossinis neapolitanischen melodramma Maometto Secondo (1820) – im Jahr 2000 erstmals auf die Bühne brachte, war diese Spätoper vor allem für ihre Ouvertüre bekannt (die bis heute gelegentlich in Konzertprogrammen zu finden ist). Oder aber in einer ins Italienische rückübersetzten Fassung, L’assedio di Corinto, von Renata Tebaldi in Florenz in den 1940er-Jahren wiederbelebt, von Beverly Sills an der Scala und der Met in den 1970er-Jahren. Seit jenem Pesaro-Debüt – nach Veröffentlichung der neuen kritischen Ausgabe der Rossini-Stiftung durch Damien Colas Gallet (Ricordi) – hat das Festival diese Pariser Fassung nur noch einmal gezeigt, im Jahr 2017, in einer wenig gerühmten Produktion von Carlus Padrissa.
Nun also eine weitere Neuinszenierung, dieses Mal von Davide Livermore mit einem großen Team von Mitwirkenden: Eleonora Peronetti, Paolo Gep Cucco und Livermore selbst zeichnen als Co-Bühnenbildner verantwortlich, Gianluca Falaschi für die Kostüme, Erika Rombaldoni für die Choreografie und Nicolas Bovey für das Licht; die Videoprojektionen stammen von D-Wok, einer „auf multimediale Kreativität spezialisierten Entertainment-Design-Firma“, sodass man sich fragt, wie viele ungenannte Zuarbeiter noch beteiligt gewesen sein mögen. Am Ende sind es gerade diese Videoprojektionen – größtenteils auf einen umherziehenden Kubus geworfen, eine Art mobile Galerie animierter „Gemälde“, die an Delacroix̛ berühmtes Bild „Griechenland auf den Ruinen von Missolonghi“ erinnern –, die sich als das markanteste, zugleich aber auch als das ärgerlichste und für die meiste Ablenkung sorgende Merkmal dieser Inszenierung erweisen.
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