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November / Dezember 2023

Editorial

Von Ulrich Ruhnke
27. Oktober 2023
in Editorials
Lesedauer: 3 mins read
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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

Wer uns auf den Social Media folgt, auf X (vor­mals Twitter), Instagram und Facebook, der kennt längst unsere Nachtkri­tiken: Erste Eindrücke unserer Rezensenten von der gerade erst gese­henen Aufführung, ergänzt mit Bildern und Videos. Warum nicht gleich die ganze Rezension veröffentli­chen, mag man sich fragen. Weil eine fundierte Kritik Zeit braucht, das Gehörte und Gesehene in Ruhe reflek­tiert und in Worte gefasst werden muss.

Die Veröffentlichung des Textes in der gedruckten Ausgabe des nächsten Monats ist allerdings in der Tat ein Relikt aus dem analogen Zeitalter, als es das Inter­net noch nicht gab. Informationsgeschwindigkeit und Erwartungshaltungen sind inzwischen komplett andere als früher, sowohl auf Seiten der Leser als auch der Künstler. Beide wollen heute direkt informiert werden, wollen eine Berichterstattung und die Rückmeldung zur künstlerischen Leistung kurzfristig haben.

Insofern freue ich mich ganz besonders, Ihnen heute mitteilen zu können, dass OPER! seine Online- Aktivitäten deutlich ausgebaut hat und seiner Arbeit ab sofort auf zwei gleichberechtigten Wegen nach­kommen wird: Aufführungsrezensionen erscheinen nunmehr ausschließlich online auf unserer Website www.oper-magazin.de und bereits bald nach der besuchten Aufführung. Damit bieten wir Ihnen, neben der schon erwähnten, quasi stundenaktuellen Kurzin­formation über die Social-Media-Kanäle, den vollstän­digen Artikel im Tageszeitungsrhythmus oder sogar noch schneller.

In der gedruckten Ausgabe von OPER! finden Sie auch künftig ausführliche Hintergrundberichte, The­menbeiträge, Interviews sowie einen umfangreichen Serviceteil. Texte und Daten also, die nicht in derselben Weise aktualitätsgebunden sind wie Premierenkritiken und zur entspannten Lektüre über einen Zeitraum von zwei Monaten einladen. Beginnend mit der vorliegen­den ersten Doppelausgabe November/Dezember wird die gedruckte OPER! entsprechend zweimonatlich erscheinen, selbstverständlich in der gewohnten Qua­lität und in vertrautem Umfang. Die erste inhaltlich weiterentwickelte und mit den Online-Inhalten syn­chronisierte Ausgabe halten Sie dann an Weihnachten mit der Januar/Februar-Ausgabe in der Hand. Und wenn auf Ihrem Handy unsere App installiert ist, haben Sie alles zusammen: Sämtliche Online-Inhalte sowie das gedruckte Heft als ePaper.

„Kinder, schaff Neues!“ – das gilt nicht nur für den Opern­journalismus, sondern natür­lich auch für die Oper und den Opernbetrieb selbst. Die Epoche, in der ein wesentlicher Teil der Erneuerung der Kunstform vor allem durch die Regie erfolgte, neigt sich ihrem Ende entgegen. Längst ist das gute alte Regiethe­ater institutionalisiert, gehört es zur Oper wie der singende Mensch. Auch die vermeint­liche Weiterentwicklung alter 1970er-Jahre Konzepte mit Raumbühnen und Wandertheater mit szenen- oder aktweise verschiedenen Aufführungsorten, wie sie der­zeit mancherorts versucht werden, ändern daran nichts. Als eventhafte Ausnahmeproduktionen im Rahmen von Festspielen, wie zuletzt Aus einem Totenhaus bei der Ruhrtriennale Bochum, werden sie auch in Zukunft eine Farbe der Aufführungspraxis bleiben. Doch der zentrale Erneuerungsschub wird wohl von den Werken selbst kommen. Von neuen Opern neuer Komponisten, die über das verfügen, was der Mehrzahl neuer Musikthe­aterwerke, die nach 1945 entstanden sind, abgegangen ist: Anschlussfähigkeit beim Publikum – musikalisch wie inhaltlich. Die Zeit monadenhaft abgekapselter Klangsprachen und bedeutungsüberfrachteter Meta- Handlungen scheint vorbei zu sein.

Die USA machen es dem guten alten Europa gerade vor. Nicht nur an der Met in New York, auch in San Francisco, Los Angeles, Chicago und in Seattle kom­men Themen zur (Ur-)Aufführung, die einen direkten Bezug zur modernen Bevölkerung haben. Das kommt an und hat Potenzial, wie Christina Scheppelmann, Generaldirektorin der Oper in Seattle, im Interview für die vorliegende Ausgabe zu berichten weiß. Die gebür­tige Hamburgerin verfügt wie nur wenige andere im Operngeschäft über jahrzehntelange internationale Erfahrungen und übernimmt 2025 den prestigeträch­tigen Intendantenposten am Brüsseler Opernhaus La Monnaie / De Munt. Ihr Blick auf die Oper ist insofern nicht zuletzt ein Vorgeschmack auf das, was uns in der europäischen Metropole unter ihrer Leitung erwarten wird. Seien Sie gespannt!

Herzlich,

Ihr Ulrich Ruhnke

Dr. Ulrich Ruhnke OPER!

Tags: Editorial
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