Editorial

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»Kinder, schafft Neues!«

So sprach Richard Wagner. Tobias Kratzer in Bayreuth hat's getan, mit seinem Tannhäuser. Neues gab's auch bei den anderen Festspielen, wie z.B. Salzburg, in Aix-en-Provence und Bregenz. Nicht alles ist unbedingt gelungen, aber Oper braucht Raum, um auszuprobieren – nur so kann sie wachsen. Und um das Probieren und Wachsen zu würdigen und fördern, starten auch wir etwas Neues und verleihen im September den ersten öffentlichen Opern-Branchenpreis in Deutschland, die OPER! AWARDS.

Stolze 83 öffentlich finanzierte Opernhäuser, die ältesten Opernfestspiele der Welt, zahlreiche weitere Festivals, Opernkompanien, Operetten(häuser) und experimentelle Formen der Kunstgattung Oper: Kein anderes Land der Welt verfügt über eine solche Dichte an Musiktheatern wie Deutschland. Einmalig ist das und anerkanntes immaterielles UNESCO-Kulturerbe. In knapp 7.000 Vorstellungen jährlich wird es gepflegt, tradiert und lebendig weiterentwickelt. In den USA, die an zweiter Stelle im Ranking stehen, sind es schon über 5.000 Aufführungen weniger (nämlich ca. 1.700) und Italien, immerhin das Mutterland der Oper, hat im Durchschnitt nur etwa 1.400 Vorstellungen zu bieten. Doch trotz der internationalen Sonderstellung Deutschlands: Einen Preis, der die Besten der nationalen und internationalen Opernbranche öffentlich und im Rahmen einer Preisverleihung auszeichnet, gibt es hierzulande bislang nicht. Eine absurde Situation, mit der andere Kunstsparten schon längst aufgeräumt hätten oder es bereits getan haben. Der Film ohne prominente Preisverleihung? Undenkbar! Die Opernbranche dagegen, die mancherorts noch gerne einen intellektualistischen Dünkel pflegt und despektierlich auf alles herabblickt, was Öffentlichkeit schafft, ist sich zu fein dafür. Zum Schaden aller – der Künstler, der Kunst, ihrer Ermöglicher und der gesamten Branche.

Um das zu ändern, hat OPER! die OPER! AWARDS ins Leben gerufen. Damit bekommt Deutschland seinen ersten ausschließlich der Oper gewidmeten und öffentlich verliehenen Branchenpreis überhaupt. Die OPER! AWARDS werden von einer prominent besetzten, achtköpfigen Journalisten-Jury in insgesamt 20 Kategorien an die besten nationalen und internationalen Akteure auf und hinter der Opernbühne vergeben. Beginnend mit der Preisgala am 21. September 2019 im Konzerthaus Berlin werden sie fortan jährlich verliehen, die Gewinner werden am Abend selbst bekanntgegeben. Wer das Rennen in diesem Jahr gemacht hat, erfahren Sie in der nächsten Ausgabe von OPER!, oder ab dem 21. 9. unter www.oper-awards.com sowie über unsere Social-Media-Kanäle. Online finden Sie schon jetzt nähere Informationen zu den Awards.

„Kinder, schafft Neues!“, forderte Richard Wagner vehement. Die OPER! AWARDS tun genau das. Und wo, wenn nicht auf dem Grünen Hügel, sollte die Aufforderung besonders nachdrücklich vernommen werden? Ob es Tobias Kratzer, dem Regisseur der Neuproduktion des Tannhäuser, gelungen ist, Neues zu schaffen, erfahren Sie in dieser Ausgabe. Ebenso, wie das künstlerische Ergebnis der ersten Premierenstaffel bei den Salzburger Festspielen ausgefallen ist und was andere Festivals wie Aix, Orange, Bregenz und München sich haben einfallen lassen.

Ich wünsche Ihnen eine gute und anregende Lektüre!

Herzlich, Ihr Ulrich Ruhnke