Bellinis Norma ist eine ikonische Partie, vor deren Missraten auch ein berühmter Name per se nicht schützt. Die führende Belcanto-Sopranistin unserer Tage, Lisette Oropesa, wagte sich nun erstmals an den Achttausender und lädt zur strahlenden Aussicht ein.
Von Hugh Canning
Die Liste der Sängerinnen, die der Partie von Bellinis Norma ihren Stempel aufgedrückt haben, ist recht kurz: Im 19. Jahrhundert waren es die Schöpferin der Rolle, Giuditta Pasta, 1831 an der Mailänder Scala, und dann die erste Adalgisa an ihrer Seite, Giulia Grisi, die die Rolle bald selbst mit Erfolg übernahm (nachdem sie 1835 die erste Elvira in Bellinis Schwanengesang I puritani kreiert hatte). Im 20. Jahrhundert drängen sich die Namen Rosa Ponselle, Maria Callas, Joan Sutherland, Beverly Sills, Edita Gruberová und Cecilia Bartoli auf: eine verwirrende Vielfalt an Sopranen und Mezzosopranen, die je ihren eigenen Weg fanden, eine noch immer einschüchternde Partie zu singen, der sich zumal Top-Sopranistinnen kaum entziehen können.
Die US-Kubanerin Lisette Oropesa hat sich bereits als eine der führenden Belcanto-Interpretinnen unserer Zeit empfohlen, darunter auch in frühen Verdi-Partien wie Amalia in I masnadieri, Gilda und Violetta Valéry. In den letzten Spielzeiten hat sie sich zudem als ausgewiesene Bellini-Spezialistin etabliert, insbesondere als Giulietta in I Capuleti e i Montecchi, Amina in La sonnambula und zuletzt – an der Opéra de Paris, der Metropolitan Opera und in Covent Garden – als womöglich derzeit vollendetste und überzeugendste Elvira in I puritani.
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