Wer war Richard Strauss?
Allgemeines
Richard Strauss war ein deutscher Komponist und Dirigent und zählt zu den bedeutendsten Vertretern der musikalischen Spätromantik. Er prägte die Oper wie das Konzertleben seiner Zeit nachhaltig: Mit seinen sinfonischen Dichtungen setzte er Maßstäbe für die Programmmusik des 19. Jahrhunderts, mit seinen Opern – allen voran Salome, Elektra und Der Rosenkavalier – schuf er Werke, die bis heute zum Kernrepertoire internationaler Opernbühnen gehören. Strauss war zugleich ein überragender Dirigent, der als Generalmusikdirektor in München, Berlin und Wien sowie an der Spitze internationaler Gastspiele zu den einflussreichsten Musikerpersönlichkeiten seiner Zeit aufstieg. Sein Werk spannt einen Bogen von der Nachfolge Wagners und Brahms’ bis zu einem eigenständigen, zwischen Modernität und Tradition vermittelnden Stil. Herausragend sind seine Klangsinnlichkeit und die Beherrschung des Orchesters.
Biografie
Richard Strauss wurde am 11. Juni 1864 in München geboren. Sein Vater Franz Strauss war erster Hornist der Hofkapelle München und ein ausgewiesener Wagner-Skeptiker – eine Ironie der Musikgeschichte, denn der Sohn sollte später zu einem der bedeutendsten Wagner-Dirigenten und zugleich zu einem seiner ästhetischen Erben werden. Strauss erhielt eine gründliche musikalische Ausbildung, studierte aber im Unterschied zu vielen Zeitgenossen nie an einem Konservatorium, sondern bildete sich weitgehend autodidaktisch und durch intensive Beschäftigung mit der Musikliteratur.
Schon als 20-jähriger trat er als Dirigent hervor und wurde 1885 Hofkapellmeister in Meiningen, wo er unter dem Einfluss des Brahms-Vertrauten Hans von Bülow stand. Der Begegnung mit dem Dichter und Musiker Alexander Ritter verdankte er eine entscheidende ästhetische Wende: weg von der klassizistischen Formenstrenge, hin zur programmatischen Orchestermusik im Geist Liszts und Wagners. Es entstanden die großen sinfonischen Dichtungen, die ihn schnell berühmt machten: Don Juan (1889), Tod und Verklärung (1890), Till Eulenspiegels lustige Streiche (1895), Also sprach Zarathustra (1896), Don Quixote (1897) und Ein Heldenleben (1899).
Den Durchbruch als Opernkomponist erlebte Strauss 1905 mit Salome nach Oscar Wildes Schauspiel – ein Werk, das mit seiner expressiven Harmonik und seiner ungehemmten Sinnlichkeit den Opernbetrieb erschütterte. 1909 folgte Elektra, die erste Zusammenarbeit mit dem Wiener Dichter Hugo von Hofmannsthal, der für Strauss zum wichtigsten Librettisten seines Lebens werden sollte. Die gemeinsamen Werke – neben Elektra auch Der Rosenkavalier (1911), Ariadne auf Naxos (1912/16), Die Frau ohne Schatten (1919), Die ägyptische Helena (1928) und Arabella (1933) – gelten als einer der fruchtbarsten Dichter-Komponisten-Dialoge der Operngeschichte. Hofmannsthals Tod im Jahr 1929 traf Strauss tief.
Die Jahre des Nationalsozialismus brachten Strauss in eine schwierige Lage. 1933 wurde er als Präsident der Reichsmusikkammer eingesetzt, ein Amt, das er 1935 niederlegen musste, als ein privater Brief an seinen jüdischen Librettisten Stefan Zweig abgefangen und ihm vorgehalten wurde. Strauss bemühte sich, seine jüdische Schwiegertochter und seine Enkelsöhne zu schützen, navigierte aber in politisch und moralisch höchst belasteten Gewässern. Sein Verhalten in dieser Zeit ist bis heute Gegenstand historischer Debatten.
In seinen späten Lebensjahren, während und nach dem Zweiten Weltkrieg, schrieb Strauss einige seiner persönlichsten Werke: die Metamorphosen für 23 Solostreicher (1945), eine Trauermusik über die Zerstörung der deutschen Kulturlandschaft, und die Vier letzten Lieder (1948) für Sopran und Orchester, die zu den berühmtesten Abschiedskompositionen der Musikgeschichte zählen. Richard Strauss starb am 8. September 1949 in Garmisch-Partenkirchen, wo er lange Jahre gelebt hatte, im Alter von 85 Jahren.
Musik
Richard Strauss war ein Meister des großen Orchesterklangs. Sein Orchestersatz ist von einer Transparenz, Farbigkeit und technischen Versiertheit, die selbst unter den großen Spätromantikern keinen Vergleich findet. In seinen sinfonischen Dichtungen entwickelte er die von Liszt begründete Gattung zu höchster Reife und Komplexität weiter: Musik, die Geschichten erzählt, Figuren charakterisiert und Philosophie zum Klingen bringt.
In seinen Opern bediente sich Strauss einer Harmonik, die – besonders in Salome und Elektra – zu den Grenzen der Tonalität vorstößt, ohne sie ganz zu verlassen. Mit Der Rosenkavalier vollzog er dann eine bewusste Wende zurück zu melodischer Geschmeidigkeit und Wiener Walzerseligkeit, was ihm Bewunderung und Unverständnis in gleichem Maße einbrachte. Diese Fähigkeit, zwischen Kühnheit und rückwärtsgewandter Nostalgie zu wechseln, durchzieht sein gesamtes Spätwerk und macht es bis heute rätselhaft wie faszinierend.
Die Singstimme behandelte Strauss mit besonderer Sorgfalt – kaum ein anderer Opernkomponist des 20. Jahrhunderts hat so prachtvoll für den weiblichen Sopran geschrieben wie er. Die Partie der Feldmarschallin im Rosenkavalier, der Salome, der Elektra, der Ariadne oder der Arabella gehören bis heute zu den anspruchsvollsten und zugleich begehrtesten Rollen des Sopranfachs.
Opern
Richard Strauss komponierte insgesamt 15 Opern:
- Guntram (1894)
- Feuersnot (1901)
- Salome (1905)
- Elektra (1909)
- Der Rosenkavalier (1911)
- Ariadne auf Naxos (1912, revidierte Fassung 1916)
- Die Frau ohne Schatten (1919)
- Intermezzo (1924)
- Die ägyptische Helena (1928)
- Arabella (1933)
- Die schweigsame Frau (1935)
- Friedenstag (1938)
- Daphne (1938)
- Die Liebe der Danae (1944, Uraufführung 1952)
- Capriccio (1942)
Mit Capriccio, einer „Konversationsoper“ über die ewige Frage nach dem Vorrang von Wort oder Musik im Musiktheater, verabschiedete sich Strauss von der Opernbühne – ein kluger, selbstbewusster und eleganter Abgang von der Bühne seines Schaffens.
Quelle: Wikipedia








