Wer war Georges Bizet?
Allgemeines
Georges Bizet war ein französischer Komponist des 19. Jahrhunderts und zählt zu den bedeutendsten Vertretern der französischen Oper. Weltberühmt wurde er vor allem durch Carmen, die 1875 in Paris uraufgeführt wurde und seither zu den meistgespielten Opern überhaupt gehört. Obwohl Bizets Werk im Vergleich zu Verdi oder Wagner zahlenmäßig sehr überschaubar ist, hat er mit Carmen ein Werk geschaffen, das stilbildend für das französische Musikdrama war und bis heute das Bild der Oper in der öffentlichen Wahrnehmung mitprägt. Bizet verknüpfte in seiner Musik melodische Eingängigkeit mit dramatischer Schärfe, exotischen Klangfarben sowie einem realistischen Blick auf die menschliche Psyche, der dem späteren Verismo vieles vorwegnahm.
Biografie
Alexandre César Léopold Bizet, der sich später Georges nannte, wurde am 25. Oktober 1838 in Paris geboren. Er entstammte einer musikalischen Familie: Sein Vater war Gesangslehrer, seine Mutter eine begabte Pianistin. Bereits mit neun Jahren wurde er als außerordentlich frühreifes Talent am Pariser Conservatoire aufgenommen, wo er Komposition, Orgel und Klavier studierte. Zu seinen wichtigsten Lehrern zählten Antoine Marmontel und Charles Gounod, dessen Einfluss auf Bizets frühe Werke deutlich spürbar ist.
1857 gewann Bizet den begehrten Prix de Rome und verbrachte die folgenden Jahre in Italien, wo er die französische Oper ebenso intensiv studierte wie die italienische Operntradition. Nach seiner Rückkehr nach Paris sah er sich mit den schwierigen Verhältnissen des französischen Opernbetriebs konfrontiert: Mehrere seiner Projekte scheiterten an bürokratischen Hürden, ästhetischem Konservativismus und einem Publikum, das Neues zunächst skeptisch aufnahm. Seine Oper Les pêcheurs de perles (Die Perlenfischer, 1863) und das Schauspiel mit Musik L’Arlésienne (1872) brachten ihm Achtungserfolge, ohne dass ihm der große Durchbruch gelänge.
Dieser kam erst mit Carmen, uraufgeführt am 3. März 1875 an der Opéra-Comique in Paris. Die Reaktionen waren gespalten: Das Publikum zeigte sich vom realistischen Sujet – einer unbändigen Zigeunerin, einem desertierenden Soldaten, Mord auf offener Bühne – befremdet, und die Presse war geteilter Meinung. Bizet erlebte den Welterfolg seines Hauptwerks nicht mehr. Er starb am 3. Juni 1875, nur drei Monate nach der Uraufführung, im Alter von erst 36 Jahren an einem Herzleiden. Noch im selben Jahr errang Carmen an der Wiener Hofoper triumphalen Erfolg. Johannes Brahms soll die Oper mehr als 20 Mal gehört haben, Nietzsche stellte sie Wagner entgegen als Ideal einer sündhaft lebendigen Musik.
Musik
Bizets Musik ist von einer unmittelbaren Sinnlichkeit und rhythmischen Vitalität geprägt, die in der französischen Oper seiner Zeit ohne Vergleich war. Er verband die Tradition der Opéra comique – mit ihren gesprochenen Dialogszenen und ihrer volksnahen Melodik – mit einer dramatischen Konsequenz, die dem Genre bis dahin fremd gewesen war. Sein sicherer Instinkt für Orchestrierung, sein Gespür für Lokalfarbe und spanisch anmutende Rhythmen sowie seine Fähigkeit, Figuren mit wenigen musikalischen Mitteln psychologisch zu schärfen, machen seine Werke bis heute auf der Bühne präsent.
Opern und Werke
Bizets überschaubares, aber qualitativ hochstehendes Werk umfasst neben einigen unvollendeten Projekten folgende wichtigste Bühnenwerke:
- Les pêcheurs de perles (Die Perlenfischer, 1863)
- La jolie fille de Perth (1867)
- Djamileh (1872)
- L’Arlésienne – Schauspielmusik zu Alphonse Daudets Drama (1872; heute vor allem in der Form zweier Orchestersuiten bekannt)
- Carmen (1875)
Daneben hinterließ Bizet eine Reihe bedeutender Instrumentalwerke, darunter die Sinfonie in C-Dur, die er als 17-Jähriger schrieb und die erst posthum 1935 uraufgeführt wurde, sowie die Klavierstücke Jeux d’enfants.
Quelle: Wikipedia








