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Welche berühmten Opernstoffe wurden mehrfach vertont?

Von Redaktion
21. September 2026
in Wissen
Lesedauer: 3 mins read
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Il barbiere di Siviglia / Ruth Berghaus

Staatsoper Berlin: "Il barbiere di Siviglia" in der Inszenierung von Ruth Berghaus. (Foto: Monika Rittershaus)

Welche berühmten Opernstoffe wurden mehrfach vertont?

Allgemeines

Dass mehrere Komponisten denselben Stoff vertonen, ist in der Operngeschichte die Regel, nicht die Ausnahme. Bis ins 18. Jahrhundert galt das Libretto als das eigentliche Werk – Pietro Metastasios Artaserse etwa wurde über 90 Mal in Musik gesetzt. Mit dem Werkbegriff des 19. Jahrhunderts änderte sich das: Wer einen besetzten Stoff neu vertonte, trat in einen offenen Wettbewerb. Hier stellen wir vier signifikante Beispiele vor.

Orpheus: Monteverdi, Gluck und Offenbach

Claudio Monteverdis L’Orfeo (Mantua 1607) ist die früheste Oper, die bis heute regelmäßig gespielt wird: eine „favola in musica“ auf ein Libretto von Alessandro Striggio. Die tragische Geschichte um den mythischen Sänger, der seine geliebte Frau aus dem Hades rettet, indem er die Götter der Unterwelt mit seinem Gesang erweicht, sie aber dennoch wieder verliert, weil er sich entgegen der gestellten Bedingung auf dem Weg an die Oberfläche nach ihr umdreht, nimmt hier ein gutes Ende, indem Orpheus an der Seite Apollos zum Himmel aufsteigt.

Christoph Willibald Glucks Orfeo ed Euridice (1762 in Wien, in französischer Fassung 1774 in Paris) ist bis heute die bekannteste Oper des Komponisten und nimmt ebenfalls ein glimpfliches Ende.

Jacques Offenbach demontiert denselben Mythos. In Orphée aux enfers (Paris 1858) ist Orpheus ein mittelmäßig begabter Geigenlehrer, der froh ist, seine Frau los zu sein; erst die „Öffentliche Meinung“ zwingt ihn, sie zurückzufordern. Der Olymp karikiert das Zweite Kaiserreich unter Napoleon III., der „Galop infernal“ ging als Cancan in die Musikgeschichte ein. Die schärfste Pointe gilt der Tradition: Am Ende des zweiten Akts muss Orpheus Glucks Klage anstimmen – aus „J’ai perdu mon Eurydice“ wird das widerwillige „On m’a ravi mon Eurydice“.

Der Barbier von Sevilla: Paisiello und Rossini

Giovanni Paisiello vertonte Beaumarchais‘ Komödie 1782 am Zarenhof in St. Petersburg. Sein Barbiere galt über drei Jahrzehnte als unantastbar. Als sich der 23-jährige Gioachino Rossini 1816 desselben Stoffs annahm, nannte er sein Werk vorsichtshalber Almaviva ossia L’inutile precauzione. Genützt hat es wenig: Die Uraufführung am 20. Februar 1816 im Teatro Argentina in Rom geriet zum Fiasko, Anhänger Paisiellos pfiffen und johlten. Doch schon die zweite Vorstellung wurde ein Triumph. Paisiello starb im Juni desselben Jahres, kurz darauf setzte sich auch Rossinis Titel Il barbiere di Siviglia durch. Paisiellos Oper ist heute eine Rarität – der klassische Fall einer vollständigen Verdrängung.

Faust: Berlioz, Gounod und Busoni

Hector Berlioz bezeichnete La damnation de Faust (Paris 1846) nicht als Oper, sondern „légende dramatique“ und ließ das Werk konzertant aufführen. Er verlegte die Eingangsszene nach Ungarn, um den schmissigen „Rákóczi-Marsch“ unterbringen zu können; szenisch kam die Partitur erst 1893 in Monte-Carlo heraus. In Charles Gounods Faust (Paris 1859) steht nicht die Titelfigur im Zentrum, sondern die Tragödie der von ihm verführten Margarethe. Das Werk wurde zur meistgespielten französischen Oper des 19. Jahrhunderts und lief in Deutschland lange unter dem Titel Margarethe. Ferruccio Busoni schließlich umging Goethe bewusst: Für seinen Doktor Faust schrieb er das Libretto nach der alten Volkssage selbst sowie nach Motiven von Christopher Marlowe. Busoni starb 1924 über der Arbeit, sein Schüler Philipp Jarnach ergänzte den Schluss für die Dresdner Uraufführung 1925.

Manon Lescaut: Massenet und Puccini

Der Roman des Abbé Prévost von 1731 ist viermal prominent vertont worden. Nach Aubers Fassung von 1856 setzte sich Jules Massenets Manon durch – der Titel lautet bewusst nur so –, uraufgeführt 1884 an der Opéra-Comique in Paris. Neun Jahre später wagte sich Giacomo Puccini an denselben Stoff. Mit seiner Manon Lescaut (Turin 1893) erreichte er den Durchbruch. Beide Werke halten sich bis heute nebeneinander im Repertoire. Eine weitere Lesart lieferte Hans Werner Henze, der den Stoff in Boulevard Solitude (Hannover 1952) in die Nachkriegsgesellschaft verlegte.

 

Quelle: Wikipedia

Tags: OpernsujetWerkgeschichte
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