Wann klatscht man in der Oper?
Allgemeines
Applaus gehört zur Oper. Er ist der unmittelbarste Weg, auf dem das Publikum den Künstlerinnen und Künstlern auf der Bühne und im Orchestergraben seine Anerkennung zeigt. Feste Vorschriften, wann geklatscht wird, gibt es nicht, dafür aber Gepflogenheiten, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben und je nach Werk, Komponist und Opernhaus unterschiedlich ausfallen können.
Grundsätzlich gilt: Geklatscht wird, wenn die Musik schweigt. Solange das Orchester spielt, auch leise, bleibt das Publikum still. Viele Opern enden zudem nicht mit einem lauten Schlussakkord, sondern verklingen leise, etwa Claude Debussys Pelléas et Mélisande. Hier lohnt es sich, einen Moment der Stille auszuhalten. Die erste Gelegenheit zum Klatschen bietet sich meist schon vor dem ersten Ton: Betritt der Dirigent den Orchestergraben, wird er mit Applaus begrüßt – ebenso nach jeder Pause, bevor der nächste Akt beginnt. Wer unsicher ist, fährt mit einer einfachen Faustregel gut: abwarten, bis ein Teil des Publikums zu klatschen beginnt – und sich dann anschließen.
Ouvertüre und Szenenapplaus
Ob nach der Ouvertüre geklatscht wird, hängt davon ab, ob die Musik tatsächlich endet. Schließt sie mit einem deutlichen Schluss ab, bevor sich der Vorhang hebt, wie bei vielen Opern von Wolfgang Amadeus Mozart oder Gioachino Rossini, ist Applaus üblich und willkommen. Geht das Vorspiel dagegen nahtlos in die erste Szene über, wie bei zahlreichen Werken Richard Wagners oder Giacomo Puccinis, bleibt das Publikum still.
Mitten in der Vorstellung zu klatschen, ist in der Oper keineswegs ein Fauxpas. Der sogenannte Szenenapplaus nach einer gelungenen Arie, einem Duett oder einem Ensemble hat eine lange Tradition. Besonders in der italienischen Oper ist er fest eingeplant: Komponisten wie Rossini, Vincenzo Bellini oder Donizetti, aber auch Giuseppe Verdi und Puccini setzten bewusst wirkungsvolle Schlüsse, die regelrecht als Einladung zum Beifall komponiert sind. Auch in Mozarts Nummernopern ist Applaus nach Arien üblich. Anders verhält es sich bei durchkomponierten Werken, in denen die Musik ohne Unterbrechung weiterläuft. Bei Wagner, Richard Strauss oder in vielen Opern des 20. und 21. Jahrhunderts gibt es kaum Gelegenheit für Szenenapplaus; hier wartet man bis zum Ende eines Akts.
Schlussapplaus, Bravo und Buh
Fällt am Ende eines Aktes der Vorhang, wird geklatscht. Den Höhepunkt bildet der Schlussapplaus: Das Ensemble tritt vor den Vorhang, es folgen Einzelverbeugungen der Solisten, schließlich kommen Dirigent und Chor, manchmal auch das Orchester auf die Bühne. Bei Premieren verbeugt sich zusätzlich das Regieteam. Wer besonders begeistert ist, ruft „Bravo“. Korrekt ist dabei die italienische Form: „Bravo“ für einen Sänger, „Brava“ für eine Sängerin und „Bravi“ für mehrere Mitwirkende. Bei herausragenden Abenden erhebt sich das Publikum zu Standing Ovations, während Pfiffe, Johlen oder Getrampel in der Oper eher als unpassend gelten. Auch Missfallen gehört zur Opernkultur: Buhrufe treffen vor allem bei Premieren häufig das Regieteam, wenn eine Inszenierung polarisiert, seltener die Sänger. Respektvoll ist es, Kritik auf den Schlussapplaus zu beschränken und nicht in die laufende Musik hineinzurufen.
Geschichte und Sonderfälle
Um kaum eine Oper ranken sich so viele Applaus-Legenden wie um Wagners Parsifal. Bei der Uraufführung 1882 in Bayreuth bat Wagner das Publikum, nach dem ersten Aufzug auf Hervorrufe zu verzichten, um die weihevolle Stimmung nicht zu stören. Daraus entstand die Tradition, nach dem ersten Aufzug gar nicht zu klatschen. Heute wird diese aber längst nicht mehr überall gepflegt; im Zweifel orientiert man sich am übrigen Publikum oder an einem Hinweis im Programmheft. Dass Applaus in der Oper nicht immer spontan war, zeigt zudem die Geschichte der sogenannten Claque. Im 19. Jahrhundert, besonders in Paris, aber auch in Mailand und Wien, ließen sich Gruppen von Zuschauern dafür bezahlen, an bestimmten Stellen zu klatschen, „Bravo“ zu rufen und den Erfolg einer Sängerin gezielt anzuheizen – oder einen Rivalen auszubuhen.









