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Home Kritiken Aufführungen international

Heimatfilm der intellektuellen Art

So viel mehr als Alpenkitsch: Catalanis "La Wally" am Theater an der Wien

Von Manuel Brug
30. Dezember 2021
in Aufführungen international, Kritiken
Lesedauer: 4 mins read
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Heimatfilm der intellektuellen Art

Izabela Matula (Wally) und Leonardo Capalbo (Hagenbach). (Foto: Herwig Prammer)

Barbora Horáková inszeniert am Theater an der Wien Alfredo Catalanis La Wally. Geschickt übersetzt sie das effekthascherische Stück dabei ins Heute.

Von Manuel Brug

 

40 Jahre alt ist der – doch, diesmal darf man es sagen – Kultfilm Diva von Jean-Jacques Beineix, in dem es um einen geklauten Konzertmitschnitt einer Sängerin geht, die keine Aufnahmen von sich zulässt. Das zentrale Musikstück darin ist „Ebben? Ne andrò lontana“, jene seltsam magisch packende, flutend-sehnsuchtsvolle Arie aus der 1892 uraufgeführten Oper La Wally von Alfredo Catalani. Der wiederum, alles Deutsche liebend, nur ein Jahr später mit erst 43 Jahren gestorben, verfasste das letzte seiner fünf Bühnenwerke nach dem damals populären, heute nur noch als transiges Trachtentrashstück von Walter Bockmayer bekannten Roman Die Geierwally von Wilhelmine von Hillern.

Im Film reihte sich Wilhelmenia Fernandez würdig ein in die Liste berühmter Interpretinnen von Maria Callas über Renata Tebaldi bis zur aktuellen Verismo-Diva Ermonela Jaho, die diesem perfekten Schmachfetzen Rührung und verletzliches Gefühl zu entlocken vermochten. Dabei stammte der ursprünglich aus einem ganz anderen Werk: Catalani, den Arturo Toscanini so sehr verehrte, dass er seine ersten Kinder Walter und Wally nannte, hatte ihn 1878 als „Chanson Groënlandaise“ komponiert. Einer der größten Wally-Fans war übrigens auch Gustav Mahler, der sie schlicht für „die beste italienische Oper“ hielt.

Dieses Urteil hatte freilich nicht lange Bestand. Auch wenn ein schwuler Opernliebhaber wie der Filmregisseur Werner Schroeter das fetischierte Objekt seiner Obsession 1985 in Bremen auf die Bühne gebracht hat, sind hierzulande die Wally-Begegnungen rar. Heute rümpft man, besonders in deutschsprachigen Landen, die Nase über diesen im Ötztal spielenden Bergkitsch um Liebe, Fluch, Rache und Mord, der damit endet, dass der Tenor von einer Lawine mitgerissen wird und die Titelheldin, eine bemerkenswert bockig emanzipierte Frau, die sich weder um Familie, Dorfgesellschaft noch Liebhaber schert, aus Gram in den Abgrund hinterher springt.

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Tags: Alfredo CatalaniAndrés Orozco-EstradaBarbora HorákováIzabela MatulaJacques ImbrailoLa WallyLeonardo CapalboTheater an der Wien
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