Die Bayerische Staatsoper öffnet ihre historischen Foyers tagsüber für alle – mit Verkleidungskisten, DJs, Sitzsäcken und Mini-Playback-Show statt Premierenfieber. Hinter dem Experiment steckt jedoch mehr als ein neues Freizeitangebot: Es geht um die Zukunft der Oper selbst. Gewinnt sie so ein neues Publikum – oder verliert sie dabei ausgerechnet das, was sie so einzigartig macht? Oder anders gefragt: Wie viel Oper braucht die Oper noch?
Von Michael Stallknecht
Was für tolle Klamotten es doch in einem Opernhaus gibt! Der junge Mann hat einen schwarzen Hut mit Feder entdeckt, dazu einen bodenlangen schwarzen Mantel mit Fransensaum. Er streift ihn über kurze Hose und Muscle Shirt, seine Freundin bewundert ihn vor dem goldgerahmten Wandspiegel, er sich selbst kaum weniger. Hut und Mantel kommen aus einer Transportkiste, die die Bayerische Staatsoper in einem der Ionischen Säle des Münchner Nationaltheaters geparkt hat. Ohne zu wissen, ist das offensichtlich frisch verliebte Paar Teil eines seit einem knappen halben Jahr laufenden Experiments der Staatsoper geworden: die historischen Foyers in der Beletage tagsüber für Laufkundschaft zu öffnen. Jeden Freitag von 11 bis 17 Uhr werden sie zu den „Apollon Foyers“. Amüsiert sich hier etwa das Publikum der Zukunft? Sie seien „nicht so die typischen Opernbesucher“, sagt die Frau auf Nachfrage. Sie und ihr Freund leben in Frankfurt, den Weg in die Foyers haben sie zufällig auf einem Kurztrip gefunden. Aber sie gefallen ihnen: „Das würde man nicht erwarten“, findet die Frau. Die Frankfurter Oper sei „nicht so pompös“.
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