Im Kino ist es gängige Praxis: Synchronfassungen fremdsprachiger Filme. In der Oper ist hingegen die Originalsprache zum Standard geworden. Immerhin mit Übertiteln, doch die mindern den musikalischen Genuss und führen mitunter zur Genickstarre. Die Lösung: Opern wieder auf Deutsch zu singen. Die Muttersprache könnte dabei emotionale Räume öffnen und Schwellenängste abbauen. Es gibt also gute Argumente dafür – aber auch einige dagegen.
Von Michael Stallknecht
Den ersten Eindruck von Aida hat mir mein Großvater vermittelt. Von Opern verstand er nicht allzu viel, er hatte ein Abonnement im Koblenzer Stadttheater, gemeinsam mit meiner Großmutter. Oper, Operette, Schauspiel gehörten damals einfach noch zum guten Ton. Doch eine Phrase war ihm hängen geblieben, der Beginn der Arie des Radamès: „Holde Aida“. „Hol-de-e-A-i-hi-daaa!“, pflegte er also bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu singen. Oder vielleicht eher zu krähen, mit dem charakteristischen Quartsprung nach oben am Ende. Auf Deutsch natürlich, nicht auf Italienisch. „Celeste Aida“: Das wäre ihm kaum über die Lippen gekommen, auch nach 20 Jahren Strandurlaub in Rimini waren Nudeln für ihn immer noch „Schpagätti“. Aber wer weiß, ob ich heute einen Bezug zur Oper hätte, wenn ich nicht damals regelmäßig für das Abonnement meiner Großmutter hätte einspringen dürfen, die Opern generell zu anstrengend fand und sich zunehmend auf Operetten beschränkte.
Jetzt weiterlesen!
Dies ist Premiummaterial. Testen Sie unsere Angebote, um den gesamten Artikel zu lesen.
Abonnieren
Das aktuelle gedruckte Heft jetzt bestellen oder komplett online lesen!Jetzt mit wenigen Klicks zum OPER!-Inhalt:
Ausprobieren
Zwei ausgewählte Artikel kostenlos lesen? Dann registrieren Sie sich hier!Kostenlos lesbar:









