Stéphane Lissner hat das Teatro San Carlo in Neapel auf der Opernlandkarte wieder neben den großen Häusern in Mailand, Venedig und Rom etabliert. Nach einem Polit-Krimi mit aufsehenerregenden Wendungen ging dort jetzt die letzte von ihm geplante Premiere über die Bühne. Sein Nachfolger, ein Wunschkandidat der rechten Meloni-Regierung, verspricht höchstens Mittelmaß. Die Opernzukunft im Süden Italiens: ungewiss!
Von Manuel Brug
Der stumme Butler, den es bei Mozart gar nicht gibt, schlägt erleichtert die Hände über dem Kopf zusammen. Endlich kommt der Herr im Haus zurück, und der wird den lockeren Sitten, die hier augenblicklich herrschen, hoffentlich ein Ende bereiten. Überall Alkohol, Sekt, Wein, Gin und Kokain, selbst mit Erdnüssen und Chips wird durch die Gegend geworfen. Kein Zustand – in der schicken Midcentury-Wohnhalle. Man hat es ja, das Geld dafür, im vorderasiatischen Pontus: Schauplatz von Mozarts fünfter Oper, die Seria Mitridate, re di Ponto, die er 1770 als 14-Jähriger für das im Mailänder Königspalast der Habsburger gelegene Teatro Regio Ducale komponierte.
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