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Home Kritiken Aufführungen international

Menschen wie wir

"Der Walküre", Opernhaus Zürich

Von Tobias Gerosa
11. November 2022
in Aufführungen international, Kritiken
Lesedauer: 4 mins read
A A
Die Walküre im Opernhaus Zürich

"Die Walküre", Opernhaus Zürich. (Foto: Monika Rittershaus)

Packend genau: Andreas Homoki und Gianandrea Noseda setzen in Zürich mit der Walküre fort, was sie mit dem Rheingold begonnen haben: nicht die übergestülpte große Idee, sondern einfach groß aus der Werkidee und mit einer glänzenden und stimmigen Besetzung.

Von Tobias Gerosa

 

Wer im April am Opernhaus Zürich Das Rheingold als Vorabend gesehen hat, erkennt darin die Welt Wotans jetzt in der Walküre, dem „Ersten Tag“ des Bühnenfestspiels, wieder: Da ist die gleiche großbürgerlich weiße, drehende Zimmerflucht, in die Christian Schmidt einen atmosphärisch dichten Wald einbaut und damit den Wechsel zwischen Menschen- und Götterwelt ganz unmittelbar erkennbar macht. Da erscheint auch wiederum Erda (nach ihrem Warnauftritt im Rheingold) – und ist das nicht schon der geheimnisvolle Wanderer (der erst im Siegfried wirklich auftreten wird), der sich hier direkt einmischt, dem inzestuösen Zwillingspaar Sieglinde und Siegmund Wasser und Met-Horn reicht und zur Erzählung der Vorgeschichte das Schwert in die Esche steckt? Die Beobachtung, dass Regisseur Andreas Homoki die Geschichte sehr genau und durch stumme Auftritte tatsächlich sehr klar nachvollziehbar macht, trifft den Kern. Und das stimmt nicht nur für die äußere Handlung, sondern vor allem auch die psychologische Glaubwürdigkeit.

Deren Kern besteht aus der Musik und der Textgestaltung. Anders als gewisse GMD-Vorgänger hat Gianandrea Noseda die Dynamik beeindruckend im Griff. Die Philharmonia Zürich klingt in jedem Moment plastisch (das tiefe, schnarrende Blech!), bleibt in Sachen Dramatik nichts schuldig – wird aber nie zu laut. Die Balance zwischen Begleitung und starkem Antreiben wirkt unangestrengt ausgewogen und immer klangschön. Der Effekt, weil so eben auch die Dialoge als Auseinandersetzungen zwischen lebendigen Figuren verständlich werden, ist riesig: Es entsteht echtes Musiktheater. Wenn das im „Walkürenritt“ zu Beginn des dritten Aufzugs doch mal ins Lärmig-Laute kippt, steckt sogar ein musikalischer Sinn dahinter (wenn auch nicht für die forcierenden acht Walküren): Wotan trumpft hier auf, weil er meint, so seine Macht zu demonstrieren – vergebens, und Noseda dreht die Lautstärke wieder zurück zu Gunsten des Dialogs.

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Tags: Andreas HomokiCamilla NylundDaniela KöhlerDer Ring des NibelungenDie WalküreEric CutlerGianandrea NosedaOpernhaus ZürichRichard WagnerTomasz Konieczny
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