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Home Kritiken Aufführungen international

Mozart-Missvergnügen

Von Manuel Brug
26. Februar 2022
in Aufführungen international, Kritiken
Lesedauer: 6 mins read
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Mozart-Missvergnügen

"Le nozze di Figaro": Maria Bengtsson (Contessa), Anna El-Khashem (Susanna) und Luca Pisaroni (Figaro). (Foto: Vincent Pontet)

Während an der Opéra national de Paris Mozarts Le nozze di Figaro durchweg enttäuscht, versöhnt Verdis Requiem am Théâtre des Champs-Elysées mit einem umsichtigen Dirigenten und einem fantastischen Solisten-Quartett.

Von Manuel Brug

 

Opéra de Paris: Le nozze di Figaro

Nicht wenige halten Mozarts Le nozze di Figaro für die beste Oper überhaupt. Doch ausgerechnet Paris, 1784 Uraufführungsort des wahrlich revolutionären Beaumarchais-Schauspiels, das 1786 in Wien als erste Mozart/da Ponte-Zusammenarbeit wahre Unsterblichkeit erlangte, steht damit in der Opéra nach wie vor auf Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“. Immerhin, schon 1793 gab es an der Seine sechs Aufführungen auf Französisch, dann erst wieder 1928 ein einziges Wiener Staatsoperngastspiel. 1973 kam schließlich – als Eröffnung der Ära Lieberman, die legendäre, damals von George Solti dirigierte Strehler-Inszenierung (auf Italienisch) erst an der Opéra Royale in Versailles, dann im Palais Garnier heraus; deren Bühnenbildner Ezio Frigerio ist dieser Tage 91-jährig gestorben. Sie wurde zwischendurch von Gerard Mortiers ungeliebtem Salzburger Marthaler-Import ersetzt, doch Nicolas Joel ließ die Dekorationen neu bauen und spielte die Produktion bis 2012.

Somit ist jetzt die Neuinszenierung durch Netia Jones erst die dritte originale an der Opéra de Paris – seit 234 Jahren. Und leider ist sie gar nicht gelungen. Die britische Multimediakünstlerin, die gleichfalls für Bühne, Kostüme und die völlig überflüssigen Videos aus Librettofetzen, Konturenverdopplungen und Schattenrissen verantwortlich zeichnet, hat nichts zu erzählen, wenig hinzuzufügen zum immer wieder perfekt abschnurrenden „tollen Tag“ des Heirats- und Treue-(Miss-)Vergnügens im Schloss Almaviva.

Das ist – wie oft eigentlich noch?! – einmal mehr das Theater selbst, hier sogar konkret das Palais Garnier. Zur von Gustavo Dudamel hurtig glatt dirigiergetickten Ouvertüre gibt es digitale Baupläne auf Seitenkulissen; immerhin erfahren wir, dass hier die Bühnenseiten „Jardin“ (links) und „Cour“ (rechts) heißen. Für Eingeweihte erkennbar, senken sich dann drei baugleiche Solistengarderoben dieses Theaters herab. Links langweilt sich die Gräfin, in der Mitte lassen schnell Susanna und Figaro die Klamotten fallen, um sich quickest zu bespringen; rechts lauert der Graf.

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