Die Uraufführung von Wir nach Motiven des gleichnamigen Science-Fiction-Romans von Jewgeni Samjatin aus dem Jahr 1920 mit der Musik von Anton Lubchenko wird ein umjubelter Erfolg in Regensburg.
Von Klaus Kalchschmid
Sex mit mehreren Partnern in „glücklichen Stunden“, für die man rosarote Tickets erwirbt, ist erlaubt, ja gewünscht im „Einheitlichen Staat“, irgendwann im 23. Jahrhundert; Gefühle oder gar Liebe: Bei Todesstrafe sind sie verboten! Wer eine Seele entwickelt, wie klein auch immer, gilt als nahezu unheilbar krank und wird operiert. Oder „ausgelöscht“! Jewgeni Samjatins Roman von 1920 wurde ins Ausland geschmuggelt, und erst 1929 erschien er, nach englischer, französischer und tschechischer Ausgabe, – entstellt und gekürzt – in der Originalsprache in einer russischen Emigrantenzeitung. Da schlugen die Wellen in der Sowjetunion hoch, 1931 erwirkte Samjatin bei Stalin persönlich die Bewilligung für die Ausreise nach Paris, wo er 1937 starb. Seit 1958 immer wieder in neuen deutschen Übersetzungen aufgelegt, 1981 von Vojtěch Jasný verfilmt und zuletzt 2014 als Hörspiel bearbeitet, ist Lubchenkos „musikalische Farce“ die erste Musiktheateradaption nach dem brisanten Stoff, der Aldous Huxleys Brave New World (1932) und George Orwells 1984 aus dem Jahr 1949 beeinflusst hat.
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