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Home Menschen Interviews

John Holiday: „Man muss Platz für Gott lassen“

Der Countertenor im Interview

Von Uwe Friedrich
25. Juni 2026
in Interviews, Menschen
Lesedauer: 6 mins read
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John Holiday

John Holiday. (Foto: Shervin Lainez)

Der Countertenor John Holiday liebt die künstlerische Herausforderung – und den Spaß auf der Bühne. Mit dieser Einstellung singt er ein erstaunliches Repertoire von Spirituals bis Cherubino. Im Interview spricht er über das Singen in großen Sälen, seine Gospel-Vergangenheit in einer Baptistengemeinde und die Ausbeutung und Selbstausbeutung im Sängerberuf.

Interview: Uwe Friedrich

 

Die Stimme des Countertenors gilt oft als künstlich, als technisch erarbeitet. Männliche Sprechstimmen liegen meistens im Bereich des Baritons, schon ein Tenor muss sich die Höhe erarbeiten, singt aber größtenteils mit Bruststimme. Sie müssen noch höher hinaus. Wie technisch ist Ihr Gesang?

Ich würde meinen Gesang nicht als künstlich bezeichnen. In gewisser Weise stimmt das, aber ich würde den Countertenor-Gesang lieber als jenseitig bezeichnen. Ich habe nie besonders darüber nachgedacht. Meine Stimme war einfach immer meine Stimme. Schon in der High School habe ich in der Sopranlage gesungen, es hat sich für mich immer selbstverständlich angefühlt und angehört. Operngesang ist eine Frage der Gesangstechnik, insofern bedeutet das immer auch Arbeit. Ich habe hart daran gearbeitet, meine eigene Stimme zu entwickeln, und ich bin mit dem Ergebnis in dem Sinn zufrieden, dass ich gerne mit meiner Stimme singe. Jedenfalls an den meisten Tagen. Eine gute Gesangstechnik hilft dabei.

Mitte der 1980er-Jahre konnten Musikprofessoren noch unwidersprochen behaupten, dass Männer einfach keine Koloraturen singen können und dass alle Countertenöre spröde klingen. Das war damals als Zustandsbeschreibung nicht völlig falsch. Wie blicken Sie auf die Geschichte Ihres Stimmfachs?

Vieles von den alten Aufnahmen klingt tatsächlich nicht schön. Manchmal war ein rauer, harscher Ton anscheinend sogar erwünscht, um sich von Sängerinnen abzusetzen. Vielleicht glaubte man auch, damit die Fremdheit einer Kastratenstimme nachempfinden zu können. Ich bemühe mich sehr, nicht so zu singen, sondern eine warme, weiche, samtige Linienführung zu entwickeln. Elegante Phrasierung ist der Schlüssel.

Was bedeutet das für Ihre nächste Rolle, den verführbaren Ritter Ruggiero in Händels Alcina, den Sie im Juli bei den Münchner Opernfestspielen singen? 

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