Mit seiner Historienoper La vestale gelang es dem Italiener Gaspare Spontini Anfang des 19. Jahrhunderts, die Oper zu revolutionieren. Nachdem Komponisten wie Meyerbeer, Berlioz oder Wagner an ihm vorbeigezogen waren, verschwand das Werk wieder. An einem bedeutsamen Ort für die Biografie des Komponisten, an der Berliner Staatsoper, kehrt es in Lydia Steiers Inszenierung auf die große Bühne zurück.
Von Stephan Schwarz-Peters
Da gewinnt man gerade eben einen Krieg, darf endlich wieder nach Hause zurückkehren – und muss feststellen, dass die sehnsüchtig vermisste Freundin inzwischen die Stellung gewechselt hat: Statt ihrem Geliebten Licinius bei seiner triumphalen Ankunft in Rom in die Arme zu fallen, hütet die Patriziertochter Julia nun das heilige Feuer der Vesta, als deren Priesterin mit streng geregelten Pflichten, wie etwa der, sich niemals einem Manne hinzugeben oder gar der Ehe. Ein schöner Schlamassel, zumal das junge Mädchen gar nicht freiwillig in den Dienst der Heim- und Herdgöttin getreten ist. Und während im gemeinsamen Duett mit Licinius das Feuer der Liebe stärker denn je in ihr auflodert, erlischt im Hintergrund dasjenige, auf das sie hätte aufpassen sollen. Die Strafe für Julias Schusselei: ein Begräbnis bei lebendigem Leibe, das allerdings durch ein Wunder glücklich vereitelt wird. Blitze fahren vom Himmel herab, das Feuer der Vesta wird wieder entzündet. Die eben noch so vergeltungssüchtige Priesterschaft sieht darin ein Zeichen der Götter, vergibt der Frevlerin und gestattet ihr darüber hinaus, ihren geliebten Licinius zu heiraten. Ende gut, alles gut?
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