Wie verhalte ich mich in der Oper?
Allgemeines
Die Oper ist ein Ort der Hochkultur. Das heißt für viele Menschen, dass hier besondere Verhaltensregeln zu gelten haben, die der Würde des Hauses, dem Ernst der dargebotenen Werke und den gesellschaftlichen Übereinkünften einer so genannten bildungsbürgerlichen Elite entsprechen. Hinzu kommen die üblichen Gebote der Rücksichtnahme, die allen Beteiligten sowohl auf als auch vor der Bühne einen ungestörten Abend ermöglichen sollen, ohne störende Gespräche, sonstige Lautäußerungen wie Mitsingen oder -pfeifen, Sichtbehinderungen oder die Einnahme von Speisen und Getränken während der Vorstellung.
Das war nicht immer so. In den Blütejahren der höfischen und bürgerlichen Oper im 17. und 18. Jahrhundert diente ein Opernbesuch nicht ausschließlich dem Kunstgenuss. Hier wurden bei laufendem Bühnengeschehen Neuigkeiten des Tages ausgetauscht, Geschäfte gemacht, gegessen, getrunken oder – vor allem in Logen, die sich mit einem Vorhang verdecken ließen – amourösen Betätigungen nachgegangen. Außer bei besonders berühmten Sängern oder spektakulären Arien hielt sich die allgemeine Aufmerksamkeit für die Musik dabei oft in Grenzen. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, in dem erstmals strengere Verhaltensregeln für den Opernbesuch aufgestellt wurden. Doch auch diese haben sich im Laufe der Zeit gewandelt.
Dresscode
Schon zu Hause gilt es zu überlegen, welche Kleidung sich für den Opernbesuch anbietet. Abgesehen von wenigen Häusern wie der Mailänder Scala, die seit Sommer 2025 explizit das Tragen bestimmter Kleidungsstücke wie Tanktops, Flip-Flops oder kurze Hosen verbietet, haben Theater keine strenge Kleiderordnung. Gerade Damen haben eine breite Auswahlmöglichkeit, die vom schicken Designer-Abendkleid bis zu legeren Kombinationen aus einem mindestens knielangen Rock oder einer Anzughose oder aus einer Bluse und einem gutsitzenden Blazer reicht. Auch Cocktailkleider sieht man häufig.
No-Gos sind tiefe Ausschnitte, durchsichtige Bluse, Trägertop, ausgewaschene oder zerfranste Jeans, Cowboystiefel, Flipflops, Netzstrümpfe sowie Kniestiefel, wobei es auch hier, wie stets, auf den modischen Kontext ankommt. Für Männer, die auf einen Anzug verzichten möchten, könnten Hemd, Stoffhose, elegante, glänzende Schuhe und ein zu den Schuhen passender Gürtel eine gute Wahl sein. Auch Sneaker lassen sich hiermit, wie auch zum Anzug, gut kombinieren. Neben einer „zu“ legeren Kleidung (z.B. Jogginganzug oder sonstiger Sport-Dress) ist Vorsicht auch bei „überkandidelten“ Kleidungsstücken wie Frack oder Smoking geboten. Außer bei Eröffnungspremieren bei internationalen Spitzenveranstaltungen wie den Salzburger Festspielen können diese leicht aus der Zeit gefallen wirken.
Beifall
Beifall ist in einer Opernvorstellung nicht nur erwünscht: Er bildet eine wichtige Verbindung zwischen den Künstlern und dem Publikum, ist schon seit der Antike in Europa üblich und wird hauptsächlich durch Klatschen mit den Händen ausgeführt. Besondere Begeisterung zeigt man in der Oper traditionell durch „Bravo“-Rufe (bzw. – wenn auch in Deutschland nicht konsequent – für weibliche Akteure „Brava“ und in der Mehrzahl „Bravi“), Ablehnung durch die zwar eigentlich verpönte, seit Langem aber schon tradierte Praxis des „Buh“-Rufens.
Lautes Jubeln, Pfeifen, Johlen oder Trampeln mit den Füßen gelten, anders als bei Rockkonzerten, in der Oper als weniger fein, werden mittlerweile aber, gerade als Ausdruck großer Begeisterung akzeptiert. Allerdings gilt: Je lärmender die Applausbezeugung, desto unangenehmer sind sie für das unmittelbare Umfeld, weshalb man sich immer auch die Gebote der Rücksichtnahme vor Augen führen sollte. Eine besonders Form des Applauses ist die so genannte „Stehende Ovation“ bzw. „Standing Ovation“, die meist besonders herausragenden künstlerischen Leistungen vorbehalten sein sollte (in jüngerer Zeit aber vergleichsweise „inflationär“ auftritt).
Die erste Gelegenheit zum Klatschen bietet üblicherweise das Erscheinen des Dirigenten im Orchestergraben. Es dient, wie schon das vorangehende Einstimmen der Instrumente, eher als Zeichen dafür, dass die Vorstellung nun losgeht. Standardmäßigen Applaus gibt es sonst bei jedem Aktschluss und natürlich am Ende der Vorstellung. Auch Zwischenapplaus wird gern gegeben, vor allem nach einer Soloarie, in denen eine Sängerin oder ein Sänger besonders brilliert hat. Bei durchkomponierten Werken wie den Musikdramen Richard Wagners bieten sich hierzu so gut wie keine Gelegenheiten. Andere Komponisten jedoch, nicht zuletzt die Vertreter des italienischen Belcanto oder Verismo, haben „Klatschmöglichkeiten“ nach musikalischen Nummern geradezu in ihre Partituren hineinkomponiert.
Allgemeine Verhaltensregeln
Während der Vorstellung gelten allgemeine Verhaltensregeln der Rücksichtnahme. So gilt es als unstatthaft, seine Mitzuschauer durch Gespräche (auch geflüsterte) zu stören. Auch lautes und dauerhaftes Husten wird traditionell missbilligt – nicht nur wegen des Lärms, sondern auch, wenn es sich um infektiöse Erkältungskrankheiten handelt, wegen der mangelnden Rücksichtnahme auf Sitznachbarn, die sich dadurch anstecken können.
Extravagante Kopfbedeckungen, die Dahintersitzenden die Sicht verstellen könnten, sind ebenso zu vermeiden wie die (meist ohnehin explizit verbotene) Einnahme von Speisen und Getränken. Auch auffälliges Kaugummikauen, das Auspacken von Bonbons (Knisterpapier) oder das Verbreiten von Unruhe durch hektisches Hin- und Herrutschen auf dem Sitzplatz sind unangebracht. Mangelnde Körperhygiene kann als ebenso störend empfunden werden wie das Auftragen penetrant schwerer Parfüms.
Der mittlerweile standardmäßig an Opernhäusern gezeigte Hinweis, vor der Aufführung das Mobiltelefon auszuschalten, sollte auf jeden Fall ernstgenommen werden, möchte man sich nicht einer peinlichen Situation ausgesetzt sehen. Fotos währen der Vorstellung zu machen oder gar mitzufilmen, verletzt darüber hinaus nicht nur die Etikette, sondern stellt einen Verstoß gegen das Urhebergesetzt dar und kann gesetzlich geahndet werden. Dass während einer laufenden Opernproduktion keine Selfies gemacht werden sollten, versteht sich von selbst.









