Jagd mit zwei Hörnern und ein strauchelnder Kriegermacho auf dem Schlachtfeld der Liebe: Bei den Münchner Opernfestspielen zeigt Händels Alcina, warum Oper Verschwendung und Unvernunft braucht.
Von Reinhard Brembeck
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Die Hörner! Dass Oper Verschwendung und Unvernunft sein muss, weil sie sonst nicht wirken und überzeugen kann, erlebt man jetzt beglückend bei den Münchner Opernfestspielen, und zwar in deren zweiter Premiere, der Zauberweib- und Liebesbankrotterklärung Alcina. Die durchgehend erotisierte Musik stammt, wie man weiß, vom deutschen Exilkomponisten George Frideric Handel, und der verlangt für genau eine der knapp 30 Arien zwei Hörner. Das ist die fetzige Jagdfantasie einer Tigerin, zerrissen zwischen Mordlust und Mutterinstinkt. Also sind Hörner, bis in die Romantik der Inbegriff von Jagd, obligatorisch.
Die beiden Hornisten der Bayerischen Staatsoper aber – es sind Christian Loferer und Franz Draxinger – kommen nicht erst zu ihrer Brilliernummer in den Orchestergraben, sie sitzen schon lang vorher während des zweiten Teils dort. Man fragt sich, was Musiker so denken und treiben, wenn sie arbeitslos herumsitzen, um dann aus dem Stand heraus höchste Akkuratesse und Strahlentöne zu bieten, wie die beiden dann auch souverän grandios herausblasen. Die Nummer ist schon wegen der Hörner ein Höhepunkt des ganzen Festspielsommers.
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