Solide, aber nicht sensationell – so das Fazit für L’Orfeo und Ariadne auf Naxos bei den sommerlichen Opernfestspielen von Glyndebourne. Zum Riesenerfolg wird hier dagegen eine Wiederaufnahme von vor 16 Jahren: Benjamin Brittens Billy Budd.
Von Manuel Brug
Ja, es gibt sie, diese „glyndebourneschen“ Opern, die hier über die Jahrzehnte seit Gründung des Festivals 1934 zu Repertoirestücken wurden. Dazu gehören die Werke Mozarts, aber auch Strawinskys The Rake‘s Progress in der wunderbaren David-Hockney-Ausstattung oder Brittens Midsummer Night’s Dream in der klassischen Peter-Hall-Produktion. Ein wenig Rossini war zudem immer schon die Clotted Cream auf der Country-House-Erdbeere, ebenso ist Barockmusik hier schon viel länger populär als in so manchem großen Musiktheater. Seit den 1980er-Jahren und der legendären Lehnhoff-Trilogie sind darüber hinaus auch die Janáček-Opern in East Sussex gern gesehen. Und auch die kleinen Strauss-Komödien-für-Musik – Ariadne auf Naxos, Intermezzo und Capriccio – entfalten in dem intimen Opernhaus ein besonderes Parlando-Wirkungsbewusstsein. Insofern ist ein Spielplan wie der von 2026, mit Monteverdi, Britten, Strauss, Rossini, Mozart, sehr typisch für Glyndebourne. Zu ihnen mischt der Künstlerische Leiter Stephen Langridge zum ersten Mal Puccinis Tosca, auch wenn diese für das Festival eher schwierig zu besetzen ist.
Billy Budd
Ein Riesenerfolg war, anlässlich des 50. Todestags von Benjamin Britten, die Wiederaufnahme der schon klassisch anmutenden Billy Budd-Produktion von 2010 in der konservativen, aber nicht konventionellen Regie von Michael Grandage. Alle, auch das Publikum, scheinen hier eingesperrt in den engen, dunklen Schiffsrumpf der HMS Indomitable, auf der dem stotternden Vortoppmann Billy durch den bösartigen Schiffsprofoss Claggart tödlich endendes Unrecht widerfährt. Der zaudernde Kapitän Vere lässt es geschehen, auch er ist sich seiner Gefühle für Billy nicht sicher.
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