Ob auf dem Wasser oder dem Festland: Den Bregenzer Festspielen gelingen 2026 mit La traviata und Die Ausflüge des Herrn Brouček gleich zwei starke Würfe, die zeigen, wie unterschiedlich Oper heute erzählt werden kann.
Von Herbert Büttiker
La traviata
Das Wetter spielte mit am Premierenabend von Verdis La traviata, und keine Frage: Promenade und Bühne, der See und die Farben des Sonnenuntergangs machen Bregenz selbst zur beeindruckenden Festspielbühne. Besonders groß war dieses Jahr aber auch die Erwartung auf die Aufführung einer der beliebtesten Opern überhaupt – die eigentlich überall dauerpräsente La traviata, die selbst open-air gespielt wird, obwohl das Gesellschaftsstück zur Hauptsache ein intimes Kammerspiel ist. In der Arena di Verona etwa erscheint das Salon-Drama um die Pariser Halbweltdame seit 1946 häufig im Programm und hat dort in der diesjährigen Neuinszenierung ein Moulin-Rouge-Ambiente verpasst bekommen, wie man es auch in Bregenz vorfindet. Die Bankettszene mit dem berühmten „Brindisi“ in der Eröffnung des ersten Akts und das mit Ballettmusik aufwartende Finale des zweiten sind auch auf der Seebühne der Moment, das erwartete Spektakel zu bieten – und das nicht zu knapp.
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