In der vierten Saison des Baltic Opera Festivals stand Wagners Walküre im Zentrum – und mit ihr ein Ort mit NS-Vergangenheit: die Waldoper (Opera Lesńa) in Sopot bei Danzig. Den Wotan sang der Gründer und Künstlerische Leiter des Festivals, Tomasz Konieczny.
Von Susanne Benda
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Und rein damit! Hier ist das große Bühnenbild, dort das Modell dazu, eine drehbare Treppe mit viel Spielraum unter den Stufen. Wotan hält das Modell in der Hand. Er ist Architekt, Szenograf, ein kreativer Kopf, der über das Geschehen wacht, um es zu gestalten – selbst im ersten Akt der Walküre, in dem Richard Wagner die Präsenz des Göttervaters noch gar nicht vorsieht. Synchron mit dem Schluss einer musikalischen Phrase rammt Wotan Tomasz Konieczny in sein Modell, was auch auf der Bühne bildbestimmend ist: einen zerbrochenen Speer, der im Großformat als verkohlter Stumpf der Weltesche aus dem Treppengerüst emporragt.
Die Produktion des zweiten Ring-Teils ist bei der vierten Auflage des Baltic Opera Festivals Dreh-und-Angelpunkt. Mit gutem Grund, denn wenn 2026 die Bayreuther Festspiele ihr 150-jähriges Jubiläum (und damit auch das 150-jährige Jubiläum der ersten Aufführung des kompletten Rings des Nibelungen) feiern, dann will man auch in Sopot mithalten. Schließlich galt die Waldoper (Opera Lesńa) im Drei-Städte-Eck Danzig-Sopot-Gdynia an der polnischen Ostseeküste von den 1920er- bis in die 1940er-Jahre hinein als „Bayreuth des Nordens“. Unter nationalsozialistischer Besatzung präsentierten sich die Stars des deutschen Wagner-Gesangs und -Dirigats auf der riesigen Freiluftbühne mitten im Wald; Joseph Goebbels selbst begeisterte sich für die „reichswichtige Festspielstätte“.
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