Man hat das Gefühl, als habe dieses Werk auf ihn gewartet: In Prag stellt Christof Loy seine exemplarische Lesart von Pelléas et Mélisande vor.
Von Eleonore Büning
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Bei der ersten Generalprobe hielt man diese Oper noch für einen Witz. Vor allem die wortkarge Kindsfrau mit ihren naiven „Ah!“- und „Oh“-Rufen wurde im Jahr 1902 noch verlacht. Es gab aber auch Komponistenkollegen von Claude Debussy – vor allem diejenigen, die, wie er, dem „Wagnérisme“ gehuldigt hatten –, denen von Anfang an klar war: Mit Pelléas et Mélisande brach eine neue Epoche der französischen Musiksprache an. Der Musikkritiker Romain Rolland sprach von einem „manifeste de la révolte“ und „le petit Tristan“. Möglich, dass er Debussy ärgern wollte. Aber es ist etwas dran. Pelléas erzählt, wie Tristan, eine märchenhaft mittelalterliche Liebes-, Dreiecks- und Ehebruchsgeschichte mit tödlichem Ausgang. Kürzer ist sein Werk zwar allemal, auch leiser. Aber doch vergleichbar reich instrumentiert und sogar von kleinteiliger Leitmotivik geprägt. Es dehnt sich und fließt die Zeit, das harmonische Fundament der Formgebung löst sich auf.
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