Abseits der großen internationalen Bühnen, dafür im geografischen Herzen der Verdi-Kultur. Das dem Komponisten gewidmete Festival in Parma und Umland kann mit Requiem, Nabucco und Aida gleich dreimal punkten.
Von Manuel Brug
Messa da Requiem
Es gibt ja Dirigenten, die Verdis Messa da Requiem als Gebet auffassen, wie etwa kürzlich in Salzburg Riccardo Muti bei seiner angekündigten letzten Aufführung dieses Werkes. Andere betrachten sie als Oper, der man nachträglich das Bühnenbild weggenommen hat. Daniele Rustioni aber betet in der Darbietung beim diesjährigen Verdi Festival nicht um Erlösung, hier wird sie unter Hochdruck verhandelt. Der Himmel ist eine Krisenzone, die Hölle ein exzellenter Leistungsklangbetrieb, und der Mensch steht, kaum dass er den ersten Takt überlebt hat, schon vor dem Jüngsten Gericht.
Das „Dies irae“ ist bei Rustioni keine musikalische Illustration des Zorns Gottes, sondern dessen unmittelbare Dienstanweisung. Die Schläge des Orchesters fahren nieder wie Urteile, die Blechbläser verkünden das Ende aller Ausreden, die Chöre werden zu einer Menschenmasse, die sich ihrer eigenen Sterblichkeit schlagartig bewusst wird. Nichts daran ist diskret, nichts möchte bloß andeuten. Rustioni setzt auf die physische Gewalt des Klangs, auf jähe Kontraste und eine Dramaturgie, die den Zuhörer nicht höflich um Aufmerksamkeit bittet, sondern ihn am Kragen packt.
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