Mit Regisseurin Gabriela Carrizo und Dirigent Teodor Currentzis hat diese Salzburger Carmen gleich zwei Interpreten, die in die Extreme gehen. Das ist teils aufschlussreich, lässt aber auch viele Fragen offen. Die größte: Warum die Sopranistin Asmik Grigorian für die Titelpartie?
Von Georg Kasch
So hat man Carmen noch nie gehört: Da sausen die Bögen über die die Kontrabässe, als wären’s Schläge, da donnern die Pauken, als gälte es, das Jüngste Gericht anzukündigen (es ist zwar nur Carmens Schicksalsmotiv, doch das geht entsprechend unter die Haut); dazu jammen die Streicher, als wären sie Teil einer Jazzband. Nur, um wenig später erst süffige, dann ätherische Klangflächen zu schaffen, als stünde die Zeit still.
Teodor Currentzis steht bei den Salzburger Festspielen am Pult seines Utopia Orchestra. Was holt er aus Georges Bizets überinterpretiertem Meisterwerk heraus? Vor allem: Extreme. Zunächst macht das durchaus Spaß, zumal beim Blick in den Graben, wo die Streicher und Bläser immer dann aufstehen, wenn’s dramatisch wird, und dann wirklich mit dem ganzen Körper spielen. Das hat was von einer lateinamerikanischen Banda, und für Momente bekommt man den Eindruck: Dahin geht der ganze Abend! Und ja, das könnte funktionieren. Denn im zweiten Akt in der Taverne steht nur eine lange Tafel mit weißem Tischtuch und blutroten Flecken. Daran steht eine alte Frau, hackt und klopft im Takt, singt dazu auf Spanisch Weisen, die an Flamenco erinnern. Um sie herum das weitere Personal, schon gut angeschwipst und dösend wie in einer Bar morgens um halb vier.
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