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Home Kritiken Aufführungen international

Keine kleine Zoogeschichte

Von Andreas Berger
23. März 2022
in Aufführungen international, Kritiken
Lesedauer: 4 mins read
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Keine kleine Zoogeschichte

Bayerische Staatsoper: "Das schlaue Füchslein". (Foto: Wilfried Hösl)

Barrie Kosky inszeniert Janáčeks Schlaues Füchslein an der Staatsoper München einmal nicht als kleine Zoogeschichte, sondern als Comédie Humaine.

Von Andreas Berger

 

Kein Wald, kein Tier, kein Pelzmäntelchen: Barrie Kosky inszeniert Leoš Janáčeks Schlaues Füchslein an der Staatsoper München fern aller Klischees der Tierparabel und doch so poetisch, heiter und rührend, dass man wieder einmal den Hut ziehen muss vor diesem Meister der Personenführung und der psychologischen Durchdringung. Die resignativen Erzählungen von Förster, Schulmeister und Pfarrer am Wirtshaustisch, ihr Verhältnis von oder mit einer gewissen Terynka, die nie auftaucht, spiegeln sich sonst in dem munteren Treiben der Tiere, die sich necken, vermehren und töten in einer moralfreien Lebensbejahung, zu der die Menschen nicht mehr fähig sind. Hat es da nicht auch bei ihnen einmal triebhafte Ausgelassenheit gegeben, die der Schulmeister, der sich nie traute, im Suff ertränkt und der Pfarrer, der sich zu viel herausnahm, durch Versetzung büßen muss? Der Förster aber weiß vieles von den Geheimnissen des Waldes. Mit ihm erleben wir in München die Oper als Traumspiel, das ihn am Grab seines Töchterleins erfasst und am Ende zu einer neuen, befreienden Sicht auf das Leben animiert.

Kosky inszeniert also nichts weniger als eine gelungene Trauerarbeit, die zurück ins Leben führt. Am Anfang sehen wir die Menschen am Grab, der Förster schippt die letzten Erdhäufchen zusammen. Und kommt ins Sinnieren. Da springt ein Mädchen im kurzen Hemd ums Grab herum wie der Geist seines Kindes. Nichts an ihm erinnert an ein Füchslein, aber der Förster behandelt es so, wie im Märchen, während uns Kosky quasi die Freud’sche Traumdeutung sehen lässt, die Auflösung des Märchens, nämlich Menschen. Denn der Förster fantasiert nun quasi anhand dieses „Füchsleins“ Schlaukopf das Leben des Mädchens aus, wie es hätte sein können, wenn es nicht so früh gestorben wäre. Erst ist es noch angebunden in der Erdvertiefung des Grabes, im Streit mit dem „Hund“, der nie etwas anderes gewesen ist als ein Haustier, hier also ein anderes Mädchen, das brav zu Hause bleibt und sich in den Trott der Konventionen fügt.

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