Richard Strauss‘ Die Frau ohne Schatten ist ein musikalisch-psychologischer Cocktail, der berauschen kann. Barrie Kosky in Aix-en-Provence gelingt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Dirigenten-Shooting-Star Klaus Mäkelä gibt sein internationales Operndebüt.
Von Hugh Canning
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„Das Schlimmste, was man mit Die Frau ohne Schatten tun kann, ist, das Werk klar, geordnet, kohärent zu machen.“ Barrie Koskys Worte im Programmheft sind zugleich Absichtserklärung und Rechtfertigung. Dieses vierte der sechs Gemeinschaftsprojekte von Strauss und Hofmannsthal (rechnet man Elektra hinzu, für die Strauss eine gekürzte Fassung von Hofmannsthals bereits existierendem Theaterstück vertonte) bleibt eines der rätselhaftesten Meisterwerke der Opernliteratur. Der Dichter konzipierte es bewusst als eine zweite Zauberflöte; allerdings eine, die die Wirren ihrer Entstehungszeit spiegelt: die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg – für Hofmannsthal, Strauss und Zeitgenossen ein „seismisches“ Ereignis. Kosky nennt es einen „Cocktail“, in den so ziemlich alles hineingemischt worden sei: die Vorkriegszeit, der Krieg, die Nachkriegszeit, ganz zu schweigen von den Erkenntnissen Sigmund Freuds. „Das alles ist faszinierend, hilft uns auf der Bühne des 21. Jahrhunderts aber nicht wirklich weiter.“
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