In der längsten Saison ihrer Geschichte lässt die Arena di Verona es in Nabucco krachen und La traviata im Moulin Rouge tanzen. Aber bleibt bei all dem Größenrausch die Musik noch das eigentliche Ereignis?
Von Susanne Benda
Der Schweiß ist heiß. Rund 10.000 Menschen haben sich im riesigen Amphitheater versammelt, die Steine haben die Sonne des Tages gespeichert, das Wedeln der Fächer auf den Stufen und in den dicht besetzten Reihen sieht aus wie ein Schwarm von Schmetterlingen. In der Arena von Verona hat die 103. Auflage des weltweit größten Opernspektakels begonnen, in der Stadt drängeln sich die Touristen auf schmucken Plätzen, in alten Kirchen und Palazzi. Die Bars, Restaurants und Hotels sind voll, und da die Vorstellungen erst bei Einbruch der Dunkelheit beginnen, gilt die Devise „Nessùn dorma“ nicht nur für Puccinis Turandot. Schließlich muss nach der Oper auch noch gegessen werden, zumal man dieses Jahr in Verona die im Dezember erfolgte UNESCO-Auszeichnung der italienischen Küche als immaterielles Weltkulturerbe feiert.
Wobei, gefeiert wird hier irgendwie immer: 80 Jahre La traviata in der Arena di Verona – Jubiläum! Der 150. Geburtstag des Tenors und Festivalgründers Giovanni Zenatello, der 1913 die erste Aida im Amphitheater initiierte und nach dem Zweiten Weltkrieg mithalf, die damals noch kaum bekannte Maria Callas zum Star zu machen – Party! Dass 2023 auch der italienische Operngesang zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurde, ist ohnehin immer ein Fest wert. Oder eine Festspiel-Saison wie diese, die mit drei Monaten Laufzeit (bis zum 12. September) die längste in ihrer Geschichte sein wird. An 53 Abenden wird gespielt – Konzerte, Ballett, vor allem aber natürlich Opern, 2026 ausschließlich von Verdi (unangefochten die Nummer Eins) und Puccini: je 13 Mal Aida und La traviata, zehn Mal Nabucco, sechs Mal Turandot, vier Mal La bohème. Der günstigste Platz oben auf den Steinstufen kostet 38 Euro, der teuerste unten im Parkett, das man über dem Sandplatz errichtet hat, 365 Euro. Dabei hört man oben am besten – dass das Orchester leicht verstärkt werden muss, ist nur der akustisch ungünstigeren Situation auf den teureren Plätzen geschuldet.
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