Covent Garden hat nach langer Zeit erstmals wieder I puritani im Programm. Kernaussage von Regisseur Richard Jones scheint dabei zu sein: Krieg ist universell. Aber reicht das, um die Oper zu tragen? Im Zentrum steht Lisette Oropesa als Elvira.
Von Alexandra Coghlan
Royalistische „Cavaliers“ gegen Oliver Cromwells „Roundheads“: Die beiden Fraktionen des Englischen Bürgerkriegs (1642-1649) bilden die verfeindeten Lager für Bellinis letzte Oper I puritani. Wie frühere Inszenierungen bewiesen haben, handelt es sich jedoch um ein Drama, dem fast jeder konfessionelle Konflikt zugrunde liegen könnte: ob protestantische Oranier und Katholiken (an der Welsh National Opera); Sektenmitglieder gegen Ungläubige (OperaLombardia); Neuengland-Puritaner und ihre Mitsiedler in der Neuen Welt (Metropolitan Opera). Was aber passiert, wenn man sich weigert, die beiden Lager überhaupt zu definieren?
Richard Jones’ Neuinszenierung für Covent Garden tut alles in ihrer Macht stehende, um sich gerade nicht auf diesen einzigen Konfliktpunkt festlegen zu lassen. Arturos monarchistische Kavaliere gleichen am ehesten noch Cowboys: ein draufgängerischer Haufen (Kostüme: Nicky Gillibrand) mit langen Haaren, Chaps, Stetsons und Pistolen. Dagegen präsentieren sich Liebesrivale Riccardo und die Parlamentarier als entfernt amerikanisch anmutende Gruppe von Zivilisten und Soldaten, die Brustpanzer über Blaumännern aus dem 20. Jahrhundert tragen. Elvira wiederum kommt als eine Art viktorianische Fantasie weiblicher Zerbrechlichkeit daher, mit großen Augen und beschwert von ihren Röcken.
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