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Home Kritiken Aufführungen international

Finale mit sechs Harfen

"Die Walküre", Theater Dortmund

Von Stephan Schwarz-Peters
21. Oktober 2025
in Aufführungen international, Kritiken
Lesedauer: 4 mins read
A A
die walkuere

"Die Walküre" in Dortmund, mit Stéphanie Müther (Brünnhilde) und Daniel Frank (Siegmund). (Foto: Thomas Jauk)

In Dortmund beginnt der Ring nicht mit dem Rheingold, sondern mit der Walküre: ein Kabinettstück, eingerichtet von Peter Konwitschny, das auch musikalisch stark umgesetzt wird.

Von Stephan Schwarz-Peters

 

Wie der Name schon sagt, handelt es sich beim „Feuerzauber“ um schiere Zauberei – und um eine Einladung an Regisseure, dieses Schlussbild der Walküre nach fünf Stunden fordernden Musikgenusses möglichst spektakulär in Szene zu setzen. Was hat man von magischen Lichteffekten bis brennenden Stuntmännern nicht alles schon gesehen! Doch Peter Konwitschny setzt noch einen drauf: Nachdem Wotan die zu Boden gegangene Brünnhilde auf einer Art Schiene über den Graben geschoben hat, befiehlt der Göttervater ein Harfensextett an die Bühnenränder – drei Spielerinnen an den rechten, drei Spieler an den linken – und lässt es in den Part der beiden Orchesterharfen einstimmen. Einen ähnlichen Effekt sieht Wagner für die „Regenbogenbrücke“ am Ende des Rheingolds vor; da hier aber die Harfen auf und nicht hinter der Bühne platziert sind, wirken sie noch direkter, fast aggressiv, wie ein Funkeln, Blitzen, Brennen. Fast fürchtet man, dass ausgerechnet dieses filigrane Instrument die Klangbalance zum Kippen bringen könnte. Was für ein Auftakt des neuen Dortmunder Rings!

Auftakt? Ja, denn tatsächlich hat sich das den Kosmos Wagner durchstreifende Haus dafür entschieden, die einzelnen Teile der Tetralogie nicht in regulärer Reihenfolge aufzuführen. So steht statt des „Vorabends“ zunächst der „erste Tag“ auf dem Programm. Warum auch nicht im Zeitalter ehrgeiziger Ring-Experimente, wo beispielsweise die Stuttgarter Oper eine Walküre zeigt, in der jeder Akt von einem eigenen Regie- und Ausstattungsteam gestaltet wird? In Dortmund nimmt Konwitschny die Inszenierungsarbeit allein in Angriff. Doch wird er bei jedem Teil mit einem anderen Ausstatter zusammenarbeiten; im Falle der Walküre mit Frank Philipp Schlößmann, der ihm verschiedene Settings modernen Alltagselends auf die Bühne gestellt hat: bürgerliche Buden, in denen Konwitschny sein virtuoses, diesmal mit sehr leichter und inspirierter Hand in Gang gesetztes Spiel entfaltet.

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