Nicht der Mensch, die Künstliche Intelligenz entscheidet, was beim Jubiläums-Ring der Bayreuther Festspiele auf der Bühne zu sehen ist. Ein heißes Thema, das die Oper sicherlich noch intensiver beschäftigen wird. Doch ist das erste große Bayreuther Experiment gelungen?
Von Stephan Schwarz-Peters
Da ist sie nun also endlich auch im Musiktheater angekommen, die Künstliche Intelligenz – und das gleich auf einer der heiligsten Bühnen der internationalen Opernwelt. Ein Sonderprojekt freilich, eine einmalige Angelegenheit ist dieser Ring 10010110 zur Jubiläumsausgabe der Bayreuther Festspiele, und hinter der Zahl verbirgt sich nicht (wie man denken könnte) die Notfallnummer für hyperventilierende Festspielbesucher, sondern die binäre Darstellung der Zahl 150: jener Anzahl von Jahren, auf die man nun stolz zurückblicken kann, während man gleichzeitig demonstrativ die Augen Richtung Zukunft richtet.
Für die ungewöhnliche Umsetzung der in drei Zyklen gezeigten Tetralogie zeichnet der Regisseur und Ausstatter Marcus Lobbes verantwortlich, der als Direktor der Akademie für Theater und Digitalität am Theater Dortmund seit Jahren die Nahtstellen zwischen hergebrachter Bühnenkunst und technischer Entwicklungen erforscht. 2023, als mit den AR-Elementen in Jay Scheibs Parsifal ein weiteres, bis dahin unbekanntes Inszenierungs-Tool auf den Grünen Hügel gelangte, beauftragte ihn die Festspielleitung, einen Jubiläums-Ring zu kreieren, der erstmals den auch in den Räumen der Kunst umherspazierenden rosa Elefanten KI auf der Bühne sichtbar machen sollte.
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