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Frédégonde, die Fürchterliche!

Eine Entdeckung aus Camille Saint-Saëns’ noch weithin unbekanntem Bühnen-OEuvre

Von Roland H. Dippel
30. Oktober 2021
in Nahaufnahme, Themen
Lesedauer: 6 mins read
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Frédégonde, die Fürchterliche!

Schach- und Winkelzüge: Frédégonde (Hyona Kim, l.) und Brunhilda (Anna Sohn). (Foto: Oper Dortmund)

Im Rahmen ihres aufregenden Wagner-Kosmos entdeckt die Oper Dortmund eine Grand Opéra in fünf Akten von Guiraud, Dukas und Saint-Saëns. Nach mehreren Corona-Verschiebungen kommt diese nun im November endlich auf die Bühne.

Von Roland H. Dippel

 

„On chante encore, on craint encore / De l’Austrasie au Périgord / La belle, la blonde, / La terrible Frédegonde.“ Dieses Motto steht über Fredigundis, einem von Felix Dahns Romanen aus der Völkerwanderungszeit (1899): „Man besingt und man fürchtet / von Austrasien bis Périgord / die schöne, die blonde / die böse Frédegonde“. Der satte Roman über Sex als weibliches Karrierekalkül, angesiedelt vor dem faszinierenden Panorama der Völkerwanderung, wurde durch Franz Schmidt zur Oper (Berlin 1921) – mit einem fulminanten Schlussmonolog, wie es sich im frühen 20. Jahrhundert für die Partie einer blutleckenden Femme fatale mit erotischen Ansprüchen gehörte. Tote Männer und gebrochene Herzen pflastern Fredigundis’ steilen Weg in die Machtspitzen des Merowinger-Clans. Dort spaltet sie Familien und sticht Konkurrentinnen aus. Aber das Schicksal schlägt zu, als es am Sarg der in einer Kirche aufgebahrten Leiche eines ihrer Feinde das feurig rote Haar Fredigundis’ einklemmt: „Sie fuhr zurück mit gellendem Schrei, stürzte nieder auf ihr Antlitz, ganz hart neben dem Sarkophag, mit dem linken Ellbogen stieß sie dabei die Eisenstange aus dem Sarg: – und furchtbar dröhnend schmetterte der zentnerschwere Deckel hinab. – Der gewaltige Krach schreckte sie auf. Sie wollte aufspringen. – Weh! sie konnte nicht! Der spitze Zahndorn des Deckels war zwischen ihren Haaren und durch ihren Mantel hindurch, einen Teil ihrer Haare einklemmend in den Sarg, zugeschlagen: sie konnte nicht auf. – ,Der Tote hält mich fest!’ – So schrie sie. Und sank wieder auf den Estrich, diesmal ohnmächtig. – Die Sinne waren ihr vergangen.“ Nicht nur hier schwingt sich der mit Ludwig Ganghofer befreundete Felix Dahn zu rhapsodischem Überschwang auf.

1715 kam an der Hamburger Gänsemarktoper Reinhard Keisers Oper Fredegunda auf das Textbuch von Johann Ulrich König heraus und hatte so bis 1734 eine für die damalige Zeit beträchtliche Erfolgsgeschichte. Bei der Wiederaufführung 2007 an der Bayerischen Theaterakademie im Prinzregententheater akzentuierte Tilman Knabe die gewalttätigen und ausschweifenden Schwerpunkte der Handlung. Bei Keiser ersticht sich Fredegunda nach dem Scheitern eines mit ihrem heimlichen Liebhaber Landerich angezettelten Aufstands, darauf bereut der zurückgebliebene Witwer Chilperich das Leben an ihrer Seite. In beiden Opern aus dem frühen 18. bzw. 20. Jahrhundert ist die Titelfigur eine Projektionsfläche für üppige Männerfantasien mit masochistischem Anstrich.

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Tags: Camille Saint-SaënsFrédégondeHyona KimNahaufnahmeOper DortmundSergey Romanovsky
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