Die Anzahl legendärer Operneinspielungen der Vergangenheit mit Referenzcharakter ist groß. Aber wo sind die gloriosen Gesamtaufnahmen von heute?
Von Kai Luehrs-Kaiser
Den Anlass liefert die neue Tosca. Aufgenommen in Rom, präsentierte die neue Gesamtaufnahme bei Deutsche Grammophon letztes Jahr den interessantesten Tenor der Gegenwart: Jonathan Tetelman. Sein Peiniger, Ludovic Tézier als Scarpia, ist der führende Schurken-Bariton der Gegenwart. Und Tosca sang die im selben Jahr von einer deutschen Opernzeitschrift zur „Sängerin des Jahres“ gekürte Eleonora Buratto. Diese Auszeichnung konnte sie mit ihrer CD-Leistung bei Tosca kaum begründen. Von der Jugend, die dieselbe Sängerin an der Bayerischen Staatsoper in der Rolle verströmen konnte, war in der Aufnahme nichts wiederzufinden. Hier klang sie matronenhaft. Neben ihr nimmt auch Tetelman den Tenor-Mund etwas zu voll. Und Tézier, vierschrötige Charakterfähigkeiten auf Knopfdruck aktivierend, kennzeichnet den Polizeichef zu vordergründig als Schlägertyp. Die Aufnahme unter Daniel Harding, so hochrangig sie auch besetzt war, enttäuschte.
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