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Home Kritiken Aufführungen international

Beethoven delayed

Jonas Kaufmann und Daniel Behle beim Gstaad Menuhin Festival

Von Manuel Brug
27. August 2022
in Aufführungen international, Kritiken
Lesedauer: 4 mins read
A A
fidelio gstaad

Sinéad Campbell-Wallace (Leonore) und Jonas Kaufmann (Florestan). (Foto: Raphaël Faux)

Beim Gstaad Menuhin Festival überzeugt Jonas Kaufmann in einem auch sonst hervorragend besetzten konzertanten Fidelio, während Daniel Behle seinen Tenor bei einem Liederabend üppig verschenkt.

Von Manuel Brug

 

Fidelio

„Gott, welch Dunkel hier!“ – Versiert lässt Jonas Kaufmann in der großen Arie des Florestan seinen dunkelgaumigen Tenor aus einem fast unhörbaren Pianopianissimo zu stolzem Forte anschwellen. Das ist zum einem ein Sängerstunt, wirkungsbewusst und souverän, aber ebenso die musikalisch rollendeckende Gestaltung einer Schicksalspartie. Denn auch wenn es gar nicht so wirkt – der gebrochene Fidelio-Held, das ist seit 2002 (nach lyrischen Stückanfängen als Jacquino) womöglich die Rolle, die den gegenwärtig berühmtesten Tenor am längsten begleitet: in sehr verschiedenen Inszenierungen und unter so renommierten Dirigenten wie Claudio Abbado oder Franz Welser-Möst (beides per CD bzw. DVD festgehalten)

Das Dunkel im weißen Konzertzelt hinter der Tennishalle ist freilich nur relativ. Und auch wenn von der Seite aus, zurückhaltend, nachdenklich, ambivalent in ein Figurenschicksal des Duckmäusers hineinhörend, Peter Simonischek staatstheaterhaft und trotzdem menschlich am Stehpult statt der Fidelio-Dialoge Roccos Erzählung, die berühmte Monologfassung von Walter Jens feinsinnig rezitiert und in der „Gold“-Arie ein Frankenschein den Besitzer wechselt – es bleibt Konzert in Frack und Abendkleid. Doch nicht unpassend für Beethovens Musiktheater-Schmerzenskind zwischen Singspiel, Befreiungsoper und Oratorium. Vor allem wenn es so exzellent besetzt ist.

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