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Home Kritiken Aufführungen international

Dramatische Umbesetzung

Einspringer Anton Rositskiy rettet Rossinis "Otello" an der Opéra Royal de Wallonie-Liège

Von Roland H. Dippel
29. Januar 2022
in Aufführungen international, Kritiken
Lesedauer: 4 mins read
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Dramatische Umbesetzung

Rossinis "Otello" an der Opéra Royal de Wallonie-Liège. (Foto: J. Berger)

Tenor-Gau in Liège: In Rossinis Otello machte die Stimme von Sergey Romanovsky im ersten Akt dicht. Anton Rositskiy rettete als Einspringer die Vorstellung, die vor allem sängerisch überzeugte.

Von Roland H. Dippel

 

Verdis Otello wird im Opernrepertoire seine Vorrangstellung behalten. Trotzdem eroberte Rossinis Vertonung sich ihren vor knapp 140 Jahren verlorenen, stabilen Nischenplatz zurück. Mit Verzicht auf die Stringenz der Shakespeare-Vorlage hat das Libretto von Marquis Francesco Maria Berio de Salsa dem Komponisten die Steilvorlage von einer gemächlichen Exposition in den vom Publikum und Fachleuten bewunderten Schlussakt zugespielt. Gleich drei starke Tenöre sind für die 1816 in Neapel uraufgeführten Opera seria erforderlich, was vor der Rossini-Renaissance alle Theater in Besetzungsnotstand brachte. Der Bösewicht Iago, hier gesungen vom prachtvoll kompetenten Giulio Pelligra, wirft die geringsten Probleme auf.

Bei der Premiere am Nachmittag lagen in der Opéra Royal de Wallonie-Liège die Nerven blank. Als Sergey Romanovsky nach den virtuosen Flötenläufen der Marcia zu seinen ersten Tönen ansetzte, war die Stimme belegt und der Hals dicht. In der Höhe kam gar nichts. Ansätze von Romanovskys berückend dunklem Timbre waren zu erkennen – aber nichts von Otellos Gloria, das der Tenor in Emilio Sagis Inszenierung als militärischer Würdenträger in einem Fin-de-siècle-Salon mit Galerie hätte bestätigen sollen. Zum Auftritt im großen Finale des ersten Akts, das mit der Verfluchung Desdemonas durch ihren Vater Elmiro endet, stand ein Notenpult an der Bühnenseite. Anton Rositskiy, erst kürzlich an der Bayerischen Staatsoper in Kirill Serebrennikovs Inszenierung von Schostakowitschs Nase erfolgreich, übernahm als Einspringer den Gesangspart. Romanovsky spielte weiter, aber die von der Theaterleitung so sorgfältig geplante Idealbesetzung mit einem hellen Tenor für Rodrigo, einem dunklen Tenor für die Titelpartie sowie einem virilen wie höhensicheren für Iago war dahin. Rositskiy sang sich schnell frei und lieferte im zweiten Akt mit Maxim Mironov, der als in Desdemona verliebter und zu spät von seinen vermeintlichen Ansprüchen auf sie zurücktretender Rodrigo einen großartigen Abend hatte, ein packendes Duell-Duett. Unter der fast militärisch auf Tempo getrimmten musikalischen Leitung des Pesaro- und Rossini-erfahrenen Maurizio Benini hielt Rositskiy besser mit als alle übrigen Solisten.

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