Tobias Kratzer riskiert zu Beginn seiner zweiten Hamburger Spielzeit ein beliebtes Repertoire-Stück. Seine Macbeth-Inszenierung stellt sich einer großen Frage, bleibt aber die Antwort schuldig.
Von Eleonore Büning
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Das Orchester bleibt unsichtbar an diesem Abend. Es liegt aber kein Wagner auf den Pulten in Hamburgs Staatsoper, sondern Verdi. Eine Abdeckfolie aus offenbar luft- und klangdurchlässigem Material wurde straff über den Graben gespannt, mit einem Loch darin, durch das schon bald Haupt und Arme des Gastdirigenten Tomáš Hanus herausragen. Das sieht lustig aus. Viel zu lustig für die nackte Gewalt der fetten Posaunenfanfare, die aus der Folie aufsteigt. Sie wippt auch elastisch nach, als am Ende der Premiere der erste bestellte Blumenstrauß für Lady Macbeth sein Ziel verfehlt.
Wagner kam für den nicht mehr ganz neuen Intendanten Tobias Kratzer für seine zweite Spielzeiteröffnung nicht in Frage, noch steht er als Gastregisseur mit der Vollendung seiner ersten Ring-Regie in München im Wort. Kratzer ist ein überaus fleißiger Regisseur, noch nicht festgefahren. Er ist einer von der Sorte, die bei jedem Projekt immer noch etwas Neues dazulernen. Diesmal hat er sich anhand von Macbeth eine uralte Frage an ein vielgespieltes Repertoire-Stück gestellt – groß gedacht, aber schwer zu machen: Wie kam das Böse in die Welt?
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