Benjamin Bruns singt in der neuen Münchner Siegfried-Premiere erstmals die Titelpartie. Gleichzeitig möchte der ehemalige Knaben-Alt Bach und Mozart treu bleiben und sich nicht mit langem Einsingen aufhalten.
Interview: Kai Luehrs-Kaiser
Der Charakter von Jung-Siegfried ist so naiv, dass Heldentenöre wie Peter Seiffert vor ihm zurückschreckten. Ihnen gefällt er?
Würde ich nicht sagen. Nicht unbedingt ein Sympathieträger, dieser Jung-Siegfried. Er und Mime nehmen sich charakterlich wenig. Ich weiß auch gar nicht so genau, was mich erwartet, denn es kommt ja auch noch ein Regisseur ins Spiel. Bisher muss ich sagen: Siegfried ist ziemlich geradeheraus. Unreflektiert. Ich studiere die Partie allein, erst später schaut mein Gesangslehrer drüber und dann der Korrepetitor. Warten wir’s ab.
Jung-Siegfried ist, anders gesagt, der diffizilste und zugleich doofste unter Wagners Helden. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären?
Gar nicht. Darin besteht auch gerade die Herausforderung. Das ist der Grund, weshalb mich die Rolle reizt. Das Schwierigste natürlich, und zugleich der Höhepunkt, sind die Schmiedelieder. Da lauert das volle Orchester, mit gefühlt zwölf Ambossen im Graben. Lauter geht’s nicht. Auch liegen die Lieder unangenehm. Dann versucht man auch noch zu interpretieren. Am besten gemacht hat das Wolfgang Windgassen. Er war der intelligenteste Sänger, was man auch daran sehen kann, wie er sich die Partien einteilt. Die Schmiedelieder versucht er betont einfach zu halten. Er hatte das beste Gespür dafür, wo man Kunst machen muss, und wo besser nicht.
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