Die Herkunft prägt. Bei Jeanine De Bique auch den Blick auf die Zukunft der klassischen Musik. Wer hat Zugang zu ihr? Wer trifft die künstlerischen Entscheidungen? Ein Gespräch über steile Karrieren, mögliche Abstürze und die Wahl der richtigen Rollen.
Interview: Uwe Friedrich
Nach ihrem erfolgreichen Auftritt als Händels Alcina in München werden Sie im Herbst in Brüssel die Juliette in Charles Gounods Roméo et Juliette singen. Wieder eine liebende Frau, die ihr Glück in diesem Leben nicht finden kann, aber unter ganz anderen Umständen. Sie haben die Juliette bereits gesungen, aber nun kehren Sie nach einer längeren Pause zu dieser Rolle zurück. Sehen Sie die Figur heute anders?
Es ist großartig, eine Rolle erneut zu singen. Man kennt die Musik bereits und kann sich von dieser Position die Partie neu erarbeiten. Man kann sich auf die gesangstechnische und künstlerische Interpretation konzentrieren und seine bereits gemachten Erfahrungen einbringen. Meine erste Juliette habe ich bei einer kleinen amerikanischen Opernkompanie gesungen, und ich habe immer von der Gelegenheit geträumt, diese Rolle noch einmal singen zu können. Ich freue mich, mein Debüt in La Monnaie in Brüssel mit dieser bedeutenden Rolle machen zu können. Nachdem ich Massenets Cendrillon in Paris gesungen habe, freue ich mich nun darauf, das französische Repertoire dieser Epoche weiter zu erforschen, diesmal mit einem neuen Fokus auf der Sprache und auf Gounods musikalischem Stil.
Sie decken vom Frühbarock bis zu zeitgenössischer Musik eine große stilistische Bandbreite ab. Wie wählen Sie aus dem ungeheuren Reichtum der Operngeschichte aus, welche Rollenangebote Sie annehmen?
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