Raehann Bryce-Davis hat einen „radioaktiven“ Mezzo, findet unser Autor. Die Amerikanerin singt Amneris, Azucena oder Santuzza – Frauen, die selten nett, aber fast immer interessanter sind als die Titelheldinnen. Ein Gespräch über den Reiz der zweiten Reihe, große Stimmen und den Mut, auf der Bühne lieber wahrhaftig als perfekt zu sein.
Interview: Kai Luehrs-Kaiser
Ihr Mezzosopran ist saftig, strahlend, glamourös. Leicht radioaktiv, könnte man fast sagen. Würde Ihnen das gefallen?
Damit kann ich gut leben. Noch lieber wäre mir: gefährlich. Die Menschen kommen doch, um etwas zu erleben. Perfektion ist eine schöne Sache, Intensität ist besser. Wenn es mir nicht mehr gelingt, mich auf einer menschlichen Ebene mit dem Publikum zu verbinden, habe ich verspielt.
Bei Ihrem „O don fatale“ aus Don Carlo fühlt man sich ein bisschen an Grace Bumbry erinnert. Gute Sache?
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