Riccardo Frizza ist international gefragter Spezialist für die italienische Frühromantik und seit dieser Spielzeit Intendant des Donizetti Opera Festivals in Bergamo, dem er seit 2017 bereits als Musikalischer Leiter vorsteht. Ein Gespräch über krude Operngeschichten und den Wahnsinn als Weg zur Selbstbestimmung.
Interview: Uwe Friedrich
Sie sind der Künstlerische Leiter des Donizetti-Festivals in Bergamo. Außerhalb Italiens werden die Opern der italienischen Romantik von Rossini, Donizetti und Bellini noch immer nicht ganz ernst genommen. Woran könnte das liegen?
Diese Opern wurden in der Vergangenheit oft nicht besonders gut aufgeführt. Die Libretti und ihre Art, eine Geschichte zu erzählen, sind zeitgebunden, und oft konnten Regisseure damit nicht viel anfangen. Viele Dirigenten haben die Form und Architektur dieser Musik oft nicht verstanden oder konnten sie dem Orchester und den Sängern kaum vermitteln. Und dann funktioniert das nicht. Der aktuelle Erfolg von Bellinis I puritani in London beweist hingegen, dass diese Geschichten bis heute fesseln können, wenn sie ein Regisseur wie Richard Jones auf die Bühne bringt. Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass viele der Libretti problematisch sind, und nicht jede Partitur aus dieser Zeit ist ein Meisterwerk.
Die Opern aus der zweiten Reihe sind dann aber immer noch interessant genug, um bei besonderen Gelegenheiten zur Diskussion gestellt zu werden. Womit wir wieder beim Donizetti-Festival wären.
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